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Zahltag für Amazon

Streiks gegen Versandhändler in mehreren Städten und Blockade in Berlin

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 4 Min.

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So hat sich der Onlineversandhändler Amazon den Schnäppchentag »Black Friday« vermutlich nicht vorgestellt: In mehreren Städten beteiligten sich am Freitag Hunderte Gewerkschafter, Mitarbeiter und linke Aktivisten an Protestaktionen und Streiks. Damit sollte auf die schlechten Arbeitsbedingungen, den fehlenden Tarifvertrag sowie die Rolle des US-Konzerns im digitalen Kapitalismus aufmerksam gemacht werden.

In Berlin blockierten etwa 150 Aktivisten vom linksradikalen Bündnis »Make Amazon Pay« am Mittag für einige Stunden die Zugänge zum Innenstadtversandlager im Kudamm-Karree. »Wir wollen zeigen, dass die Logistik im digitalen Kapitalismus und damit auch Amazon als großer Player angreifbar und störbar sind«, sagte der Sprecher der Initiative, Jonathan Schneider, gegenüber »nd«.

Die Polizei war mit zahlreichen Beamten vertreten und sorgte mit abgesperrten Straßen selbst dafür, dass der Warentransport nur noch eingeschränkt erfolgen konnte. Zumindest an einem der beiden Blockadepunkte ließen die Beamten jedoch weiterhin Fahrzeuge passieren. Bei den Versuchen, vor den Absperrgittern eine Mauer aus Kartons aufzubauen und einen zweiten Zugangsweg zu blockieren, sowie bei der Abschlussdemonstration kam es kurzzeitig zu Rangeleien mit der Polizei. Die Beamten nahmen eine Person fest.

Bereits am Vormittag hatten sich die Demonstranten am Savigny-Platz mit Regenschirmen und Dutzenden Kartons versammelt. Flugblätter, Transparente und Papputensilien mussten einzeln der Polizei zur Überprüfung gezeigt werden. Mit Parolen wie »Auf zu neuen Taten - Amazon verraten« zog die Gruppe zum Kudamm-Karree.

Eine Delegation der polnischen Basisgewerkschaft Arbeiter-Inititive aus Poznań unterstützte die Protestaktion. »Wir müssen uns international vernetzen, da Amazon einfach in ein anderes Land weiterziehen kann, sobald sich der Druck erhöht«, sagte der Mitarbeiter Michal Kubick gegenüber »nd«. Zweimal im Jahr träfen sich Gewerkschafter und Unterstützer aus Polen, Deutschland und Frankreich, um sich auszutauschen und Strategien zu planen. Nach eigener Aussage beträgt der Stundenlohn bei Amazon in Polen vier Euro.

Eine offizielle Unterstützung durch ver.di oder Mitarbeiter war in Berlin nicht zu vernehmen, doch Initiativensprecher Schneider erklärte, dass man mit der Gewerkschaft Kontakt halte. »Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu ver.di.« Man könne dafür als Bündnis Kritik üben, die über die der Gewerkschaft hinausgehe. »Wir kritisieren auch die Vorreiterrolle des Konzerns in der Datenspeicherung - Amazon greift nicht nur in den Alltag und das Leben der Beschäftigten ein, sondern auch in das, von uns allen.«

Auch in weiteren Städten gab es am Freitag Aktionen gegen Amazon. Gestreikt wurde etwa an den Logistikstandorten Leipzig, Koblenz, Bad Hersfeld, Rheinberg, Werne und Graben. Laut ver.di beteiligten sich erstmals auch Beschäftigte am norditalienischen Standort Piacenza nahe Mailand an dem Ausstand. Ronny Streich, ver.di-Streikleiter bei Amazon in Leipzig, erklärte: »Im Dienste von Jeff Bezos und der Kunden sollen die Mitarbeiter zum ›Black Friday‹ Höchstleistungen erbringen und dies unter Arbeitsbedingungen, die auf Dauer krank machen.« Jeff Bezos ist der Chef des US-Konzerns.

In Leipzig gab es laut der Initiative »Make Amazon Pay« ebenfalls eine kurzzeitige Blockadeaktion. Videos zeigten Dutzende Menschen, die auf eine Zufahrtsstraße liefen. Es hätte dadurch einen »massiven Rückstau« gegeben. Offenbar mussten mehrere LKWs ihre Fahrten unterbrechen.

Ver.di fordert bereits seit rund viereinhalb Jahren eine Bezahlung der Beschäftigten nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels sowie bessere Arbeitsbedingungen. Amazon mit bundesweit mehr als 12 000 Mitarbeitern, verweigert aber Gespräche.

Der »Black Friday« stammt aus den USA. Er fällt immer auf den Tag nach dem Feiertag Thanksgiving. Für die Amerikaner ist das ein Brückentag, den sie gerne für Weihnachtseinkäufe nutzen. Auch immer mehr Händler in Deutschland sind bei der Rabattaktion dabei.

Der Online-Händler erklärte zu den neuerlichen Streiks, diese hätten »keinen Einfluss« auf die Abläufe gehabt. »Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer Arbeitgeber sein kann«, so der Konzern. In Anspielung auf den »Black Friday« sagte indes der LINKEN-Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser: Solange die Beschäftigten keinen Tarifvertrag hätten, sei für sie »jeder Tag ein schwarzer Tag«. Mit Agenturen

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