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Kubas öffentliche Medien wandeln sich

Randy Alonso über die Herausforderung durch externe Einflüsse auf der Karibikinsel

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Mit der Annäherung zwischen Kuba und den USA hat auch die Kooperation ausländischer Institutionen mit Medien in Kuba zugenommen, vor allem mit nichtsstaatlichen Medien. Brauchen kubanische Redaktionen Hilfe von außen?
Es gibt in den USA ohne Zweifel den Plan, kubanische Medien politisch zu beeinflussen. Die entsprechenden Programme richten sich vor allem an junge Journalisten, das geht unter anderem aus den Rechenschaftsberichten der entsprechenden Organisationen hervor.

Neu ist das allerdings nicht. Wo liegt das Problem?
Die Programme sind breit aufgestellt. Mitunter werden junge kubanische Journalisten lediglich eingeladen, um den Medienbetrieb im Ausland kennenzulernen. Andere US-Programme waren - wie die Nachrichtenagentur AP enthüllte - darauf ausgerichtet, in Kuba Handy-Kurznachrichten zu versenden, um diesen Service potenziell zu Mobilisierung zu Protesten zu nutzen.

Gehen diese Programme denn nur von den USA aus?
Nein, sie werden zunehmend über Drittstaaten abgewickelt, die Medien und Sendezeit zur Verfügung stellen. Es gibt in Lateinamerika einige schwerwiegende Probleme, dennoch gibt es zahlreiche Sendungen und Medien, die sich aus dem Ausland exklusiv Kuba widmen, auch mithilfe des Internets.

Was bleibt Ihnen zu tun?
Unsere Antwort kann nur sein, die öffentlichen Medien in Kuba zu stärken und an den Bedürfnissen und Sorgen der Bevölkerung auszurichten. Diese Frage hat auf dem letzten Journalistenkongress eine wichtige Rolle gespielt und sie wird auch auf dem nächsten Treffen im kommenden Jahr diskutiert. Wir haben, denke ich, schon einiges erreicht, aber es liegt auch noch ein langer Weg vor uns.

Welche Rolle spielen in diesem Erneuerungsprozess der kubanischen Presse denn die sogenannten unabhängigen Medien?
In Kuba hat es einen unglaublichen Boom an Blogs gegeben, die Nutzung sozialer Medien hat alleine im Jahr 2016 um rund 300 Prozent zugenommen. Damit einhergehend hat der Bürgerjournalismus Zulauf erlebt, aber es sind auch Medien entstanden, die aus den USA und der EU finanziert werden. Einige wenden sich offen gegen die Revolution, andere inszenieren sich als Linke. Alle diese Projekte wenden sich vor allem an ein junges Publikum.

Würden Sie also sagen, es gibt einen Kampf um die öffentliche Meinung in Kuba?
Ja, jeden Tag. Die USA haben im vergangenen Jahr 30 Millionen US-Dollar für Programme in Kuba aufgewendet, rund 90 Prozent davon flossen in Medien- und Telekommunikationsprojekte. Das sind umgerechnet 750 Millionen Pesos, das ist wohl weit mehr als für alle Medien in Kuba vorgesehen ist. Ich glaube, die Investitionen in die Infrastruktur der Telekommunikation lagen in unserem Land zuletzt bei 20 Millionen kubanische Peso. Wir sprechen also schon jetzt über enorme Summen, die alleine aus den USA in Medien in Kuba fließen. Und es ist klar, dass dieses Geld nicht vorgesehen ist, um den sozialen Fortschritt in Kuba zu fördern. Es geht darum, eine künstliche Opposition zu schaffen.

Mit welchen Folgen?
Wir haben so geförderte Personen, die ihre Beiträge in mehr Sprachen übersetzen und verbreiten lassen als der US-Präsident. Da fragt man sich schon, wie das eine Einzelperson mit einem Blog aus Havanna schafft. Zugleich ist es so, dass diese Personen keinen Einfluss in Kuba haben. Wenn im Ausland aber irgendein Forum über Kuba ausgerichtet wird, treten sie als die Experten auf.

Wie müssten sich die offiziellen Medien ändern, um adäquat zu reagieren?
Es gibt ja schon eine Debatte in diesen Medien und unter Journalisten. Auch auf politischer Ebene gibt es durchaus ein Bewusstsein, dass ein Wandel der Medien notwendig ist. Das betrifft auch die Struktur und Finanzierung der öffentlichen Medien, denen die Möglichkeit zur Eigenfinanzierung eröffnet werden muss. Und schließlich gibt es eine Diskussion über die notwendige Trennung von offiziellen Medien wie dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei, der Tageszeitung »Granma«, und öffentlichen Medien. Das sind nur einige Punkte der laufenden Debatten.

In linken Medien in Lateinamerika wird derzeit viel Kritik an der internationalen Berichterstattung über Venezuela diskutiert. Zu Recht?
Venezuela ist wohl ein klassisches Beispiel dafür, wie Medien sich dem politischen Spiel unterordnen, durchaus auch in Koordination mit Regierungen und politischen Kräften. Hauptsächlich geht es offenbar darum, ein Land zu präsentieren, das im Chaos versinkt, dessen Menschen verzweifelt sind, sodass eingegriffen werden muss. Das Spannende ist dabei, dass einige der Hintermänner inzwischen offen erklärt haben, wer hinter der Kampagne steht. Das Südkommando der US-Armee etwa oder die CIA, deren Direktor offen eingestanden hat, mit den Regierungen von Mexiko und Kolumbien gegen Venezuela zu arbeiten. Nicht nur diese Hintergründe werden von vielen Medien verschwiegen, sondern auch der Wirtschaftskrieg gegen die Regierung. Die Hortung und Vernichtung von Lebensmitteln sind dokumentiert, ohne dass dies medial hinreichend aufgegriffen wird. Ebenso wenig wie die internationale Unterstützung und Finanzierung für die gewaltbereiten Teile der Opposition, die Menschen umgebracht hat.

Aber sind Sender wie Telesur nicht gerade gegründet worden, um dieser Art der Berichterstattung entgegenzuwirken?
Durchaus. Und ohne Telesur hätten wir nur wenig vom Putsch in Honduras 2009 erfahren oder auch von den jüngsten Geschehnissen in Venezuela. Allerdings wächst auch der Druck auf Telesur. In einigen nun rechts regierten Staaten wurde der Sender abgeschaltet, etwa in Argentinien unter Präsident Mauricio Macri. Und es gibt Berichte darüber, dass der mächtige US-Sender CNN Kabelanbieter unter Druck setzt, indem die Kündigung des lukrativen Vertrags angekündigt wird, wenn ein Anbieter Telesur weiter bedient. Das zeigt aber auch, dass Telesur für Lateinamerika ein weiterhin enorm wichtiges Projekt ist.

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