Geiselnehmer Siemens

Nicolas Šustr zweifelt, dass das Vorgehens des Konzerns in Sachen U-Bahn eine wirklich gute Idee ist

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 1 Min.

»Intelligente Lösungen für steigende Mobilitätsanforderungen«, preist Siemens seine Produkte. In der Hauptstadt, so scheint es, ist das Unternehmen drauf und dran, den Kollaps der U-Bahn zu provozieren. Es rügte eine Notbestellung neuer Fahrzeuge, die die Verkehrsbetriebe beim Konkurrenten Stadler Pankow ohne Ausschreibung in Auftrag gegeben hatten. Das könnte jahrelange Verzögerungen nach sich ziehen.

Natürlich ist die Fahrzeugnot eine Folge jahrelanger Unterlassung durch Senat und BVG-Führungsebene. Immer weniger Züge waren immer mehr Kilometer pro Jahr im Einsatz, um die wirtschaftlichen Kennzahlen zu verbessern. Doch irgendwann ist die Zitrone ausgequetscht. Mitarbeiter und Fahrgastverbände warnten schon seit Jahren davor.

Formal ist es natürlich das gute Recht des Konzerns, zweifelhafte Vergaben überprüfen zu lassen. Tatsächlich konnte sich jeder Außenstehende ausrechnen, wann die alten Fahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden können. Ob es eine wirklich gute Idee von Siemens ist, nachdem sie gerade die Streichung Hunderter Mitarbeiterstellen in der Hauptstadt bekannt gegeben haben, noch die ganze Bevölkerung in Geiselhaft für alte Fehlentscheidungen zu nehmen, sei dahingestellt. Diesen Schritt zu gehen, während man sich um einen milliardenschweren Senatsauftrag bewirbt, scheint aber wirklich dumm.

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