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BER-Chef: Terminal ist zentrale Sorge

Alle Geschichten über den BER sind erzählt, sagen viele. Doch das Beispiel, das der Diplom-Ingenieur und Sachverständige Dirk Roth am Mittwoch im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses erzählte, ist für Außenstehende dennoch kaum zu glauben. Die FDP hatte Roth für die anberaumte Anhörung zum Flughafen BER benannt, über viele Jahre war Roth nach eigenem Bekunden dort in verschiedenen Funktionen tätig. Es gebe auf dem Flughafen, so der ehemalige Objektüberwacher, ein als Rettungsweg gekennzeichnetes Treppenhaus, durch das ein behinderter Mensch mit einem Rollstuhl allerdings sechs Etagen tief »wie ein Matchbox-Auto« fallen würde, weil der nächstfolgende Mensch den Rollstuhl anschieben würde und das Treppenhaus gar nicht als Rettungsweg taugt. »Es gibt in der Planung von 2012 jede Menge Mängel, die bis heute nicht beseitigt wurden«, behauptet Roth. Inwieweit die Expertise des Ingenieurs zutrifft, blieb am Mittwoch unklar.

Antworten erwarteten sich die Abgeordneten des Bauausschusses dagegen vom Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der ebenfalls als Anzuhörender geladen war. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg erneuerte seine Ansage, dass er dem Aufsichtsrat des BER in der kommenden Sitzung Mitte Dezember einen Eröffnungstermin für den Flughafen nennen will. Und zwar nicht irgendeinen »Wunschtermin«, sondern einen belastbaren unternehmerischen. Soll heißen: Seit Amtsantritt Anfang März dieses Jahres hat Lütke Daldrup alle Risiken bewertet, notwendige Pufferzeiten berechnet und wirtschaftliche Fragen abgewogen. Zentrale Frage bleibt: Wann wird das Fluggastterminal fertig?

Dass es in diesem Teil »systemische Mängel« gebe, wie jüngst in den Medien berichtet, streitet Lütke Daldrup indes nicht ab. »Für uns war es keine Überraschung, dass in dem TÜV-Prüfbericht Mängel enthalten waren«, sagte der Flughafenchef. Vielmehr habe die Unternehmensführung den TÜV extra beauftragt, das »finale Prüfthema« am Mainpier Nord, den viele Experten für fertiggestellt hielten, zu untersuchen. Die flughafeneigene Objektüberwachung und die Firmen waren laut Lütke Daldrup dagegen nicht in der Lage, einen finalen Status zu beschreiben.

Dass der Flughafen BER niemals eröffnen wird, wies der oberste Geschäftsführer zurück: »Der Flughafen ist in weiten Teilen funktionsfähig«, sagte er.

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