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Adlys Coup vom Tegernsee

Schach mit Carlos Garcia Hernández

  • Von Carlos Garcia Hernández
  • Lesedauer: 2 Min.

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Das Land des großen Sees, tegarin seo auf Althochdeutsch, heißt heute Tegernsee. Am Nordufer dieses Sees liegt Gmund, gleich neben dem Fluss Mangfall, der dort seinen Ursprung hat; alles ist von Wasser umgeben. Dort, im Herzen des grünen Deutschlands, ist ein Mann der Wüste aufgetaucht: Ahmed Adly (Ägypten; 30). Er ist Schachgroßmeister, und er hat gerade die 21. Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft (OIBM) gewonnen.

Adly hatte sich 2001 den WM-Titel bei der U20 geholt und bereits mit 18 Jahren die Großmeisternorm geschafft. Damit ist Adly der erste ägyptische Schachgroßmeister überhaupt und zugleich der jüngste des afrikanischen Kontinents.

Obwohl Adly bereits für das deutsche Team Hamburger S.K. in der Schachbundesliga spielte, er also Schach auf Spitzenniveau kennt, dürfte den Kairoer diese Szenerie am Tegernsee doch ziemlich beeindruckt haben: rund 500 Teilnehmer aus 35 Nationen.

Doch er spielte ganz cool und seine spektakulärste Partie in Runde zwei. Sein Gegner mit Schwarz war der 58-jährige deutsche FIDE-Meister Hans-Jörg Cordes, der als Zahnarzt in Offenbach zu Hause ist. Er war bei der diesjährigen deutschen Ärzte-Schachmeisterschaft auf Platz drei gekommen.

Gegen ihn gewann Adly nun am Tegernsee in nur 21 Zügen nach einer Ungenauigkeit von Cordes im 19. Zug. Interessant ist zu sehen, wie schwer die Siegkombination zu finden war. Cordes selbst hat sie erst nach dem 21. Zug von Adly bemerkt. Gleichzeitig begriff er wohl, dass er damit verloren hatte, denn er gab sofort auf.

Adly, Ahmed (ELO: 2625) - Cordes, Hans-Jörg (2222) [C00 Französische Verteidigung], 21. OIBM, Gmund am Tegernsee, 29.10.2017 (2. Runde)

1.Sf3 d5 2.g3 e6 3.Lg2 Sf6 4.0-0 Le7 5.d3 c5 6.Sbd2 Sc6 7.e4 [Nach diesem Zug taucht eine typische Stellung der französischen Verteidigung auf, und beide Spieler halten sich strikt an die Literatur: Adly wird auf dem Königsflügel angreifen und Cordes auf dem Damenflügel] 7...0-0 8.Te1 b5 9.e5 Sd7 10.Sf1 a5 11.h4 a4 12.a3 Dc7 13.Lf4 Lb7 14.Se3 Tfc8 [Nach 14...d4! 15.Sg4 Tfe8 16.h5 h6 wäre die Stellung ausgeglichen] 15.Sxd5! [Mit Sicherheit hatte Cordes diesen Zug verpasst] 15...exd5 16.e6 Ld6 17.Lxd6 [Sehr spannend gewesen wäre auch 17.exd7 Dxd7 18.Lh3 Dxh3 19.Lxd6] 17...Dxd6 18.exd7 Dxd7 19.Sg5 [Diagramm I] 19...Td8? [Nach 19...Tf8= wäre selbst zu diesem Zeitpunkt noch alles möglich] 20.Dh5 Df5 [Diagramm II] 21.Te6!! [Und das war’s dann! Nach 21...fxe6 gewinnt Adly mit 22.Lh3 (bei 21...Sd4 ist Lh3 gleichfalls der beste Zug) 22...Dg6 23.Lxe6+ Kh8 24.Sf7+] 1-0

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