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Mangel an Organspendern

Transplantationen wurden in der Bundesrepublik erst 1997 gesetzlich geregelt, doch die Idee vom finalen Hirntod überzeugt nicht jeden.

Vor 50 Jahren kam es zur ersten Verpflanzung eines Herzens von Mensch zu Mensch. Ob das erlaubt war, in Südafrika, in Deutschland, anderswo auf der Welt? Darüber wurde durchaus diskutiert, aber das entscheidende Wort führten einige wenige Mediziner: Sie schufen Tatsachen, sie operierten eben. In Deutschland dauerte es dann nicht weniger als 30 Jahre, bis - mit 26 Paragrafen - ein Transplantationsgesetz Geltung bekam. Nach vehementen Debatten unter Laien und Fachleuten beschloss der Bundestag damit unter anderem die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Demnach ist eine Transplantation ohne Zustimmung des Spenders oder der nächsten Angehörigen unzulässig.

Seit Langem gehört Deutschland zu den Staaten, in denen die Bereitschaft zur Organspende schwach ausgeprägt ist und der Mangel an Organen beklagt wird. Zwar halten viele Menschen das Transplantieren für gut und sinnvoll, doch in Spenderausweisen, die dafür maßgebend sind, wird das nur zögernd dokumentiert. Dabei gab und gibt es immer wieder Aktionen und Appelle, das Ja zu einer Spende verbindlich zu erklären. Offenbar sind Zweifel an der Feststellung des Hirntods nicht einfach zu tilgen.

Probleme ergaben sich auch durch das, was 2012/2013 bekannt und als Transplantationsskandal empfunden wurde: das Bestreben einiger Kliniken, ihre Patienten auf den Wartelisten kränker zu machen, als sie waren - so sollten sie eher zu einer Leber kommen. Eine Expertenkommission untersuchte die Fälle und stellte mehrere gravierende Verstöße fest. Verurteilungen durch Gerichte gab es aber nicht.

In Deutschland werden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Köln) jährlich etwa 300 Herzen transplantiert. Die erste Übertragung geschah im Februar 1969 in München; der Empfänger starb schon wenig später. Danach gab es bis 1981 bei Herzen keine weiteren Übertragungen. In Berlin erfolgten die ersten Herzübertragungen 1986 durch Roland Hetzer in West-Berlin und durch Helmut Wolff in Ost-Berlin; Wolff starb am 24. Oktober 2017. Am Deutschen Herzzentrum Berlin wurden bisher über 1800 Herzverpflanzungen durchgeführt.

Heute leben rund 75 Prozent der Empfänger noch drei Jahre nach dem Eingriff. Die Kosten einer Herzverpflanzung betragen in Deutschland mindestens 170 000 Euro. Die Nachbehandlung ist nach wie vor aufwendig. Für Betroffene gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen. Über 800 Menschen warten gegenwärtig auf ein Herz. Eckart Roloff

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