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Der Sport im Reformstau

Die Mitgliederversammlung des DOSB in Koblenz ist von Ungewissheit geprägt

Koblenz. Ein Jahr nach der Verabschiedung der Spitzensportreform ist das Mammutprojekt des Deutschen Olympischen Sportbundes ins Stocken geraten. Auch weil die politischen Verhältnisse in Berlin weiter unklar sind und die erhoffte finanzielle Aufstockung in den Sternen steht, steigt vor der 14. Mitgliederversammlung des DOSB am Samstag in Koblenz in den Spitzenverbänden der Frustpegel. »Keiner weiß so richtig, was passiert. Die Reform ruht im Moment, anders kann man das nicht ausdrücken. Wir sind abhängig von weiteren finanziellen Mitteln«, sagt Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruderverbandes und Sprecher der Spitzenverbände. Sein Kanu-Kollege Thomas Konietzko meint: »Wir sind im Stand-by-Modus, weil niemand da ist, der die großen Entscheidungen treffen kann.«

Der geschäftsführende Innenminister Thomas de Maiziere hat dem Spitzensport zwar sein Wort gegeben, sich für einen signifikanten Mittelaufwuchs stark zu machen. Angeblich liebäugelt der DOSB gerade mit satten 100 Millionen Euro zusätzlich zu den bisher gut 160 Millionen, die das Innenministerium jährlich überweist. Doch erst unter einer neuen Regierung kann Geld fließen - wenn die denn will.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann verweist auf ein »stimmiges Konzept« für die künftige Stützpunktstruktur, das man mit Spitzenverbänden und Landessportbünden entwickelt und das »wertvolle Zustimmung« erhalten habe. In Wahrheit ist die Sache mit den Bundesstützpunkten ein Paradebeispiel für die stockende Reform - und ein Hinweis darauf, dass auch eine mögliche Geldspritze den Stau nicht auflösen wird. Das auf der Sportministerkonferenz im Saarland Anfang November vorgelegte Papier stößt an entscheidender Stelle, im Bundesinnenministerium (BMI), auf massive Ablehnung. Eigentlich hatte man sich im Reformentwurf darauf geeinigt, im Sinne von System- und Kostenstraffung die Anzahl der 204 Bundesstützpunkte um bis zu 20 Prozent zu verringern, was ungefähr 165 Einrichtungen entspräche. DOSB und Länder präsentierten eine Liste mit 167 Standorten, auf der allerdings die 35 Wintersportstützpunkte ausgespart waren. Inklusive 15 Stützpunkten, auf die die Länder bestehen, kommt man also doch wieder auf 202 - für das BMI eine nicht hinnehmbare Zahl. Man werde in Koblenz über die Sache reden, kündigte Hörmann an. SID/nd

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