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Wutrede im Kreml

Russlands WM-Chef reagiert empört auf Dopingvorwürfe. Leichtes Los für deutsche Fußballer

  • Von Thomas Körbel, Jens Mende und Arne Richter, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vizeregierungschef und Sportfunktionär Witali Mutko (l.) mit FIFA-Präsident Gianni Infantino in Moskau
Vizeregierungschef und Sportfunktionär Witali Mutko (l.) mit FIFA-Präsident Gianni Infantino in Moskau

In einer Wutrede hat sich der russische Vizeregierungschef Witali Mutko über andauernde Dopinganschuldigungen gegen sein Land empört und massive Ungleichbehandlung beklagt. »Ich bin bereit, in jedes Gericht zu kommen, um zu sagen, dass Russland kein Doping betreibt«, sagte der Multifunktionär kurz vor der Gruppenauslosung für die Fußball-WM 2018 am Freitag in Moskau - und wenige Tage vor der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über einen möglichen Olympiabann russischer Athleten für die Winterspiele 2018. Mutko bekräftigte dabei abermals, es gebe kein staatlich organisiertes Doping in Russland.

»Wir werden unsere Athleten bis zum Letzten verteidigen«, betonte der ehemalige Sportminister auf einer Pressekonferenz. »Seit 2009 sind unsere Grenzen für Dopingkontrollen offen. Wir sind ein offenes Land, kein geschlossenes.« Internationale Kontrolleure beklagen jedoch seit Jahren, dass ihnen der Eintritt in sogenannte geschlossene Städte weiterhin verwehrt werde.

In langen Monologen antwortete der Cheforganisator der Fußball-WM energisch auf die Fragen der internationalen Presse. »In Russland ist immer alles schlecht, und im Rest der Welt ist alles gut«, sagte der 58-Jährige. Auch in anderen Ländern gebe es Vorwürfe, doch werde mit zweierlei Maß gemessen, behauptete Mutko. So würden Anschuldigungen im britischen Fußball nicht verfolgt und hinterfragt werden. Und in den USA gebe es in den großen Profiligen wie NBA und NHL keine Kontrollen durch die Welt-Antidoping-Agentur.

Über den Ausgang des IOC-Verfahrens in Lausanne wollte Mutko nicht spekulieren. »Wir versuchen, in jeder Hinsicht bei der Aufklärung zu helfen.« Mutko selbst bemühe sich aktiv, den Komplettausschluss für die Sportnation zu verhindern. »Ich habe mich mit der IOC-Kommission getroffen und ich bin bereit, noch einmal Erklärungen abzugeben. Wir wissen nicht, wie die Entscheidung ausfallen wird, aber wir hoffen auf den gesunden Menschenverstand.«

Das IOC hat inzwischen 25 russische Athleten in fünf Sportarten wegen Dopingvergehen lebenslang gesperrt und deren Resultate der Spiele 2014 in Sotschi annulliert. Am Freitag waren die Skilangläuferinnen Julia Tschekalowa und Anastasia Dozenko sowie die Biathletin Olga Saizewa dazugekommen. In Sotschi sollen massenhaft Dopingproben vertauscht worden sein - und Mutko soll von der Operation gewusst haben.

Russlands Fußball jedenfalls sei frei von Doping, entgegnete Mutko jüngsten Äußerungen des Anwalts vom Dopingkronzeugen Grigori Rodschenkow, dieser habe auch belastendes Material über Fußballer des Landes. »In der Sbornaja gab es nie Manipulation und wird es nie Manipulation geben«, so Mutko, der auch nationaler Fußballverbandschef ist. »Aber das heißt nicht, dass morgen nicht irgendein Sportler gegen Antidoping-Regeln verstößt. Und wenn jemand verstoßen hat, wird er dafür haften, wenn es bewiesen ist.«

Die Wutrede überschattete die danach stattfindende Auslosungszeremonie der WM-Vorrundengruppen. Die deutschen Fußballer erwischten dabei ein eher leichtes Los. Sie werden als Kopf der Gruppe F zunächst in Moskau gegen Mexiko, dann in Sotschi gegen Schweden und schließlich in Kasan gegen Südkorea spielen. Die beiden nach der Weltrangliste schwächsten Teams der WM, Russland und Saudi-Arabien, bestreiten das Eröffnungsspiel. dpa/nd

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