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Sprengsatz diente der Erpressung der Firma DHL

Das mit Nägeln an eine Potsdamer Apotheke verschickte Paket hatte mit Terror nichts zu tun

Potsdam. Hintergrund des Bombenalarms am Freitag in Potsdam ist nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erpressung des Paketzulieferers DHL. Dies sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Sonntag. Damit sei klar, dass die Bedrohung mit an »Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« nicht dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Potsdam gegolten habe.

Am Freitag war ein verdächtiges Paket von einem Postzustelldienst bei dem Apotheker direkt am Weihnachtsmarkt abgegeben worden. Der Apotheker hatte die Polizei alarmiert. Experten zerschossen das Paket mit einem Wasserstrahl. In dem Paket befanden sich eine Blechbüchse mit Nägeln, Batterien sowie Drähte und ein verdächtiges Pulver. Laut Innenminister Schröter ist es anders als zwischenzeitlich gedacht doch möglich, dass die Ladung zündfähig war.

Aus dem zerstörten Paket konnte ein Drohschreiben rekonstruiert werden. Daraus gehe die Erpressung gegen die Firma DHL hervor, heißt es. Der oder die Täter stammen vermutlich aus dem Raum Berlin-Brandenburg.

»Weitere solcher Sendungen sind nach jetzigem Ermittlungsstand wahrscheinlich«, warnte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. »Die Täter nehmen bewusst die Schädigung von Leben und Gesundheit von Menschen in Kauf.« Die Polizei schaltete ein Hinweistelefon unter der Nummer (0331) 50 59 50. Für die Fahndung ist eine Ermittlungsgruppe »Luise« eingesetzt - benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten zwei Dutzend Kriminalisten. Es wurde auch eine Anfrage an alle anderen Bundesländer gestellt, ob jemals ähnliche Taten bekannt wurden.

Unter nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen hatten die Weihnachtsmärkte in Potsdam schon am Sonnabend wieder geöffnet, obwohl es zu diesem Zeitpunkt erst nur vage hieß, der Weihnachtsmarkt sei wahrscheinlich nicht das Ziel der Paketbombe gewesen. Polizei und Stadtverwaltung schickten zusätzliche Streifen über die Märkte, um den Besuchern Sicherheit zu geben.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte sich selbst einen Eindruck bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. »Wir sind glimpflich davongekommen«, sagte er. Jakobs sprach auch mit dem Apotheker, an den das Paket gesendet worden war. »Der Schreck ist natürlich noch nicht überwunden«, sagte er im Anschluss. Auf den Weihnachtsmarkt kamen bereits am Mittag wieder Tausende Besucher, tranken Glühwein oder aßen Bratwürste. »Das Leben ist so sicher, wie es im Leben sicher ist«, meinte der 68-jährige Rainer Peglow, der seiner dreijährigen Enkeltochter auf einem Karussell zusah. Eine Frau an einem Glühweinstand sagte, die umfangreichen Absperrungen am Vorabend seien völlig richtig gewesen. »Wir haben uns sehr sicher gefühlt.«

Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz bundesweit noch einmal verschärft worden. Am 19. Dezember 2016 war Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren und hatte so zwölf Menschen getötet. dpa/AFP Kommentar Seite 4

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