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Es gibt keinen Vorteil für Griechenland

Gewerkschafter Dimitrios Nanouris über die Verpachtung griechischer Flughäfen an Fraport

  • Von Elisabeth Heinze
  • Lesedauer: 4 Min.

Der »Makedonia Airport« in Thessaloniki wurde im Rahmen der Privatisierungspolitik zusammen mit 13 weiteren griechischen Regionalflughäfen 2014 an die deutsche Fraport AG verkauft. Seit September fordert sie 70 Millionen Euro Schadenersatz vom griechischen Staat, da der Zustand der Anlagen angeblich schlechter ist, als beim Verkauf angegeben. Wie ist der Stand?

Fraport verhandelt mit dem griechischen Staat. Noch wissen wir nicht, auf welchen Betrag sich beide Seiten einigen werden.

Was kritisieren Sie an der Art, wie der Verkauf abgelaufen ist?

Wenn eine deutsche Firma kommt und meint, »ich will einen Flughafen«, dann soll sie alles bezahlen. Letztlich hat Fraport nur die Hälfte der Konzessionsgebühr von 1,234 Milliarden Euro selbst gezahlt, den Rest streckten griechische Banken vor. Bei der Auktion der Flughäfen hätte aus meiner Sicht das kleinste Gebot bei 20 Milliarden liegen sollen. Premier Alexis Tsipras hatte mir vor der Wahl 2015 zugesichert, dass die Flughäfen nicht verkauft werden. Drei Monate später sagte er: »Dimitri, ich kann nichts mehr machen. Entweder wir verkaufen die Flughäfen oder der Staat wird komplett abgeschafft.«

Gibt es positive Aspekte der Übernahme?

Es gibt keinen Vorteil für Griechenland. Wenn die Flughäfen uns noch gehörten, könnten wir mit dem Gewinn Kredite bedienen und Renten bezahlen. Wir verlieren unseren Staat. Die kommen her und werden uns alles nehmen. Auch für die Fluggäste bringt es keine Vorteile, denn die Tickets werden teurer werden. Im Grunde hat Fraport alles fast geschenkt bekommen und macht Millionen Profit. Leider sind wir ein Land mit hohen Staatsschulden. Jeder nutzt das aus.

Was hält das Flughafenpersonal vom neuen Betreiber?

Wir haben unsere negative Haltung gegenüber dem Verkauf stets ausgedrückt. Alle sind unzufrieden, auch die Fraport-Mitarbeiter, weil es zu wenig Personal gibt. In der Hochsaison arbeiten bis zu 2000 Menschen in den Flughäfen. Seit Fraport da ist, gibt es weniger Angestellte. Das Unternehmen beschäftigt direkt in Thessaloniki nur 60 Mitarbeiter, im ganzen Land etwa 560. Beim Bodenpersonal sind hingegen Subunternehmen aktiv, wo man 400 Euro im Monat verdient. Davon kann man nicht leben. Das ist Sklaverei. Das werden auch die Fraport-Mitarbeiter einsehen, die momentan noch zufrieden sind, weil sie vorher teils nicht bezahlt wurden.

Welche Konsequenzen ergeben sich für das Personal?

Ich bin Elektroinstallateur und verbeamtet. Mitarbeiter wie mich kann man nicht entlassen. Andere Firmen am Flughafen leiden hingegen. Seit Fraport den »Makedonia Airport« übernommen hat, sind die Mieten stark gestiegen. Fünf Läden mussten schließen. Fraport hat eine eigene Handling-Firma mitgebracht, die für die Betreuung der Passagiere im Flughafen zuständig ist. Ich denke, dass sie die andere Firma, die hier aktiv ist, noch rauswerfen werden.

Und wie ist es mit den Mitarbeitern der Subunternehmen?

Fraport vereinbart mit seinen Partnern nur kurzfristige Verträge. Daher vergeben Subunternehmer auch nur kurzfristige Arbeitsverträge. Die Fraport-Angestellten haben Jobsicherheit und ein gutes Einkommen, weil ihre Expertise gebraucht wird. Die Frage ist, wie lange noch. In einem Jahr können die Verträge geändert werden.

Wie sind Ihre Aussichten, bessere Arbeitsverhältnisse durchzusetzen?

In der jetzigen wirtschaftlichen Situation wollen die Mitarbeiter vor allem ihren Job behalten. Der Flughafen ist verkauft. Was kann man heute noch bewirken? Streiken ist gerade sehr schwer in Griechenland.

Vor der Übernahme haben Sie noch gestreikt.

Als Fraport erstmals Kaufinteresse bekundete, sind wir zu den Gemeinden gegangen. Die Politiker haben uns zugehört. Dann wendete sich das Blatt. Wir haben gestreikt und eine Klage beim Verfassungsgericht eingereicht, aber erfolglos. Das war eine politische Entscheidung, gegen die wir nichts machen konnten. Wir sind auch zur EU-Wettbewerbskommission gegangen, immerhin handelt es sich um ein Monopol: Die 14 Flughäfen stemmen 85 Prozent des griechischen Tourismus. Noch 2011 hatte die EU in einer vergleichbaren Situation die Fusion zwischen den Fluglinien Aegean und Olympic abgelehnt. Jetzt hat man keine Chancen.

Immerhin hat Fraport Greece angekündigt, rund 400 Millionen Euro in die Standorte investieren.

Bisher haben sie nichts gemacht. Im Gegenteil: In Chania hat der Staat noch kurz vor der Übernahme 120 Millionen Euro selbst investiert. Es ist eine der kriminellsten Aktionen in der Geschichte Griechenlands. Die Flughäfen sind verpachtet, gleichzeitig werden große Hotels verkauft, die viele Schulden haben. Irgendwann werden deutsche Griechenland-Urlauber im deutschen Flugzeug an den deutschen Flughafen und von dort in ein deutsches Hotel gebracht. Das Geld wird der deutsche Staat verdienen. Und was bekommen die Griechen?

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