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Ein Putsch der Franken?

Rudolf Stumberger blickt hinter die Kulissen des Münchner Politstadels

  • Von Rudolf Stumberger
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dem großen Finale am Montag in München steht nun erst einmal »Spielpause« auf dem Programm des weiß-blauen Politstadels. Hinter den Kulissen wird jedoch geschoben, und am 15. Dezember gibt es eine weitere Folge des Schauspiels - auf dem Parteitag der CSU in Nürnberg.

Was bisher auf der Bühne geschah: Der oberbayerische Ober-Brummbär Horst Seehofer versuchte sich des Finsterlings Markus Söder aus dem Frankenwald mit lautem Brummen zu erwehren. Doch Law-and-Order-Kasperl Joachim Herrmann konnte den fränkischen Riesen nicht mit der Klatsche in die Flucht schlagen, und auch die Waldfee Ilse Aigner schwebte nur im Hintergrund vorbei. So muss jetzt Brummbär Seehofer seinen Honig mit Söder teilen.

Weil es bei dem Theater nicht wirklich um Politik ging (Politik wird in der CSU definiert als alles, was 1. dem eigenen Machterhalt und 2. der Wirtschaft dient) und weil zwischen Seehofer und Söder in dieser Hinsicht kein echter Unterschied besteht (aber man kann die Protagonisten an den Krawatten erkennen: Seehofer: rot-weiß gestreift; Söder: lila; Herrmann: blau) ist es jetzt an der Zeit, die wahren Auswirkungen der Nominierung des Franken als künftiger Ministerpräsident zu erörtern.

Um es auf den Punkt zu bringen: Droht Bayern jetzt ein Paradigmenwechsel? Zum Beispiel von der oberbayerischen Weißwurst zum fränkischen Schäufele (eine für Bayern untypische Art, den Schweinebraten zu servieren)? Oder wird der fränkische Wein, bei dem es sich gut Ränke schmieden lässt, den oberbayerischen Maßkrug voll Bier, das oft zu dumpfem Haudrauf führt, ablösen?

Diese Fragen sind nicht aus der Luft gegriffen und die Ängste der Oberbayern nicht unbegründet. Zwar war mit Günther Beckstein schon mal ein Franke bayerischer Ministerpräsident, aber der war mit dem 24 Jahre jüngeren Söder nicht zu vergleichen - schon des Testosteronspiegels wegen. Wenn Söder auch noch nach dem Amt des CSU-Parteichefs greifen sollte, dann ist der Freistaat fest in fränkischer Hand. Was das bedeutet, erschließt sich nur, wenn man weiß, dass Oberbayern die eigentliche Herzkammer der CSU und von Bayern ist. Aus Oberbayern kommt alles von Bedeutung: König Ludwig II., die Rüstungsindustrie, die Lederhosen, schließlich die CSU selbst. Im Ausland wird Deutschland mit dem FC Bayern, dem Oktoberfest und dem Holz vor der Hütt‘n identifiziert. Und nicht etwa mit der fränkischen »Kerwa« (Kirchweih). Und auch die Sprache des Franken (»Mir sin Glubberer« - übersetzt: Wir sind Anhänger des in der zweiten Liga spielenden erfolglosen FC Nürnberg) unterscheidet ihn vom Rest des Landes. Und überhaupt sagt der Franke, will er nach München, er fahre »nach Bayern«.

Verbirgt sich also hinter dem jüngsten Spektakel ein Putsch der Franken, zumal auch der als gesetzt geltende Innenminister Herrmann ein Franke ist? Franken, daran muss erinnert werden, ist ja erst seit 1803 Bayern angegliedert. Die Frage hat jedenfalls die gleiche Existenzberechtigung, wie der Zirkus der vergangenen Tage um die kleine Regionalpartei CSU, als jeder Hinterbänkler-Rülpser zur Schlagzeile wurde.

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