Gnade der späten Geburt

Macron auf Arbeitsbesuch in Algerien: Den Kolonialkrieg kennt er nur aus Büchern

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit einem ersten kurzen »Arbeits- und Freundschaftsbesuch« am Mittwoch in Algerien wollte Präsident Emmanuel Macron seinen Wunsch nach Intensivierung der bilateralen Beziehungen unterstreichen. Während des knapp eintägigen Aufenthalts traf er zu Gesprächen mit Präsident Abdelaziz Bouteflika, Premier Ahmed Ouyahia und Parlamentspräsident Abdelkader Bensalah zusammen. Dabei unterstrich Macron die Bereitschaft, die französischen Investitionen in Algerien zu erhöhen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu intensivieren.

Das kommt der algerischen Wirtschaft entgegen, die aufgrund des gesunkenen Ölpreises in einer Krise steckt. Zu den Folgen gehört, dass immer mehr junge Algerier keine Zukunft in ihrer Heimat sehen und nach Frankreich drängen, was für sie durch die spezifischen bilateralen Reisebestimmungen relativ leicht ist. Daneben stand die Erwartung Frankreichs im Mittelpunkt der Gespräche, dass sich Algerien stärker für die Sicherheit in der Sahel-Zone und für eine Normalisierung der Situation in Libyen eintreten solle. Damit knüpfte Präsident Macron an seine jüngste Afrikareise an, die vorrangig diesem Thema gewidmet war.

Der französische Präsident betonte, dass er eine grundlegende Erneuerung der Beziehungen zwischen Frankreich und Afrika wolle, wobei er seine Hoffnung vor allem in die junge Generation setzt. Die Bedingungen für eine Verbesserung und Vertiefung der Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien sind günstig, denn während Präsident Nicolas Sarkozy mit seinem anmaßenden Auftreten für eine Eiszeit gesorgt hatte, konnte sein Nachfolger François Hollande eine Normalisierung einleiten. Das verdankte er vor allem seinem Auftreten beim Staatsbesuch im Dezember 2012, als er als erster französischer Präsident die Kolonisierung des Landes ein »zutiefst ungerechtes und brutales Regime« nannte. Daran wollte Macron offensichtlich anknüpfen, als er während des Präsidentschaftswahlkampfes im Februar bei einem Besuch in Algier in einem Interview den französischen Kolonialkrieg als »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« bezeichnete.

Das hat ihm in Algerien viel Sympathie gebracht, hat aber in Frankreich eine Sturm der Entrüstung unter ehemaligen Algerien-Siedlern und algerischen Kriegsfreiwilligen - den Harki - ausgelöst. Wegen dieser unerwartet heftigen Reaktionen, durch die er seine Wahlaussichten gefährden sah, ruderte Macron zurück und entschuldigte sich bei allen, die er durch seine Bemerkung »möglicherweise verletzt« habe.

Das ändert nichts daran, dass Macron weiter überzeugt ist, dass er als jemand, der zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Algeriens noch nicht geboren war und somit nicht für die französische Kolonialvergangenheit mitverantwortlich gemacht werden kann, mit der jungen Generation beider Länder »die Seiten der Geschichte umschlagen und den Blick nach vorn richten« kann. Dabei setzt er auch auf die Wirtschaft, beispielsweise auf Unternehmer wie den relativ jungen Telecom-Konzernchef Xavier Niel, der zu den Vertretern der Wirtschaft im Macrons kleiner Delegation gehört.

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