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  • Berlin
  • Proteste gegen Abschiebung

Bunter Mischmasch

Demonstration in Berlin-Kreuzberg gegen die nächste Sammelabschiebung nach Kabul

  • Von Oliver Schmitt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wie jeden Abend ist Jochen am Mittwoch um 19 Uhr mit seinem Hund in der Oranienstraße unterwegs. Wie schon häufiger kommt ihm dabei ein Demonstrationszug entgegen. Davon hat er bereits viele gesehen, aber dieser hier interessiert ihn mehr als die anderen zuvor. Der 50-jährige Jochen hat einen Ziehsohn aus Afghanistan, der ihm sehr ans Herz gewachsen ist. Die Vorstellung, dass sein Ein und Alles eines Tages nach Afghanistan zurückgeschickt werden könnte, lässt ihn erschaudern.

Die Menge brüllt: »We are here and we will fight! Freedom of movement is everybody’s right!« Zur selben Zeit hat das Flugzeug mit 76 Menschen an Bord auf dem Weg nach Afghanistan bereits vom Frankfurter Flughafen abgehoben, die Abgeschobenen darin sehen einem ungewissen Schicksal entgegen. Jochen hat davon gelesen. Deshalb bleibt er stehen und lässt die ganze Szenerie auf sich wirken. Sein Hund wird unruhig, doch das stört ihn in diesem Moment nicht.

Ungefähr hundert Demonstranten tragen Transparente vor sich her, auf denen »Welcome Refugees« steht, oder die den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) auffordern nach Hause zu gehen, aber nicht Menschen nach Afghanistan abzuschieben. Der Zug zieht weiter die Oranienstraße entlang und biegt dann in die Adalbertstraße ein. Langsam verliert Jochen ihn aus den Augen. Nachlaufen will er ihm zwar nicht, aber Bleiberecht muss sein, findet er: Es will ja auch nicht jeder bleiben, aber möglich sein muss es. Genauso wie für seinen Ziehsohn.

Die Demonstranten dürfen nun einzeln an ein Megafon und sagen, was sie bewegt. Dazu nutzen sie ihre Muttersprache. Spanisch ist dabei, Arabisch und viele andere. Ein bunter Mischmasch, aber alle Aussagen haben eines gemeinsam: Die Menschen müssen zusammenhalten, sie müssen füreinander da sein, sie dürfen sich nicht wegstoßen.

In der Adalbertstraße geht es weiter bis zum Kottbusser Tor. Wie bei vielen Demonstrationen fahren Autos der Polizei vor dem Zug her und sichern ihn nach hinten ab. Die Polizeibeamten sind an diesem Mittwoch guter Laune. Es wurden keine Krawalle erwartet und es bleibt auch alles ruhig. Sie können entspannt ihren Dienst verrichten, eine Zigarette rauchen oder sich ein bisschen unterhalten.

Am Kottbusser Tor endet der Zug, so war es ausgemacht mit den Behörden. Die Ordner der Veranstalter tragen gelbe reflektierende Westen. In der Nacht wirken sie wie eine Lichterketten. Um 20 Uhr lösen die Veranstalter von »Stop Deportation«, dem »Berliner Bündnis gegen Abschiebungen nach Afghanistan« und von »Bündnis gegen Rassismus« die Veranstaltung auf. Die meisten Demonstranten wären gerne noch ein wenig geblieben, aber wenn die abgeschobenen Flüchtlinge hätten bleiben dürfen, wäre sie auch gerne schon früher nach Hause gegangen.

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