Fusion nicht ohne Betriebsrat

ThyssenKrupp-Angestelltenvertreter warnen Konzernspitze vor Vertrauensbruch

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bei ThyssenKrupp spitzt sich der Konflikt zwischen Konzernspitze und Angestelltenvertretern im Zuge der Fusion mit dem indischen Tata-Konzern weiter zu. Der Betriebsrat der Stahlsparte warnte davor, das Vorhaben gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchzudrücken. Ansonsten drohe ein »tiefer Vertrauensbruch«, sagte der Betriebsratsvorsitzende der Stahlsparte, Günter Back, am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung im ThyssenKrupp-Stammwerk in Duisburg-Beeckerwerth, wo Gewerkschaft und Betriebsrat die Beschäftigten über den Stand der Verhandlungen mit der Konzernspitze informierten.

Viel hat sich nicht getan, seitdem ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger im September erklärt hatte, dass der Konzern in Verhandlungen mit Tata-Steel einsteige, um sich über eine Fusion zu verständigen. Damals verkündete Hiesinger auch, dass bei ThyssenKrupp etwa 2000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Diese Forderung ist bis heute nicht vom Tisch und auch über Beschäftigungsgarantien für die restlichen Arbeiter gibt es keine Einigung. Die zen- tralen Forderungen von Gewerkschaft und Betriebsrat sind Garantien für die kommenden zehn Jahre. Die Arbeitsplätze sollen erhalten und kein Standort geschlossen werden.

Nach einer Demonstration Ende November am Standort im rheinland-pfälzischen Andernach, an der über 8000 Stahlarbeiter teilnahmen, gab es in den Verhandlungen mit dem Konzernvorstand erste kleine Erfolge. Betriebsrat und IG Metall erreichten, dass zwei Gutachten angefertigt werden. In einem soll festgestellt werden, ob das Unternehmen, das aus der Fusion hervorgeht, »auf soliden Füßen« steht. Denn ThyssenKrupp-Steel soll bis zu vier Milliarden Euro Schulden in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen, Tata noch einmal 2,5 Milliarden Euro. Ein weiteres Gutachten soll herausfinden, welche Risiken von den Pensionsverpflichtungen ausgehen, die Tata gegenüber britischen Angestellten hat.

Bisher hatten sich Beschäftigtenvertreter und Konzernspitze sieben Mal getroffen. Bis zum 22. Dezember verlangen IG Metall und Betriebsrat konkrete Antworten vom Vorstand. Dann will man an allen Standorten über das Ergebnis abstimmen lassen. »Wenn nur ein Standort Nein sagt, kann die IG Metall nicht zustimmen«, sagte der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel, der für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp sitzt, der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung« .

Dass alle Standorte zustimmen, ist nicht allzu wahrscheinlich. Denn bisher hat der Konzern aus Sicht der Arbeitnehmervertreter keine adäquaten Angebote vorgelegt. Dies sei allerdings seine Sache, so Detlef Wetzel weiter. »Wir können nicht die Verantwortung dafür tragen, das muss der Vorstand schon selbst tun und sich gut überlegen, was er seinen Beschäftigten vorlegt«, so Wetzel.

Der ThyssenKrupp-Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger ist allerdings auch von anderer Seite unter Druck. Lars Förberg, Chef des Finanzfonds Cevian, verlangt von Hiesinger Taten. Cevian war vor vier Jahren beim Konzern eingestiegen und ist mit einem Anteil von rund 15 Prozent der größte Aktionär bei ThyssenKrupp. In einem Interview mit dem »Handelsblatt« hatte Förberg die Situation bei ThyssenKrupp als »besorgniserregend« benannt. Auch Vorstand und Aufsichtsrat attackierte er direkt: »Die Strategie hat bisher nicht das geliefert, was man versprochen hat. Wenn etwas nicht funktioniert, muss man was ändern. Das ist die Aufgabe von Vorstand und Aufsichtsrat.« Hiesinger müsse nicht gehen, aber endlich bessere Ergebnisse liefern.

Gegen die Vorstöße des Cevian-Chefs stellte sich der ThyssenKrupp-Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner. Der ehemalige Henkel-Boss, der noch in vielen weiteren Aufsichtsräten wie dem der Telekom oder von E.on sitzt, stellte Heinrich Hiesinger ein gutes Zeugnis aus. Lehner könnte auch der entscheidende Mann sein, wenn es in der Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften hart auf hart kommt. Seine Stimme zählt dort doppelt. Davon Gebrauch zu machen wäre zwar ein Bruch mit der Unternehmenskultur von ThyssenKrupp, könnte aber die Kapitalanleger zufriedenstellen. Das würde dann zweifellos auf dem Rücken der Beschäftigten geschehen. mit dpa

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