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Die Lupine als Soja von morgen

Ein Besuch in der Forschungsanstalt Güstrow

  • Von Jürgen Drewes, Güstrow
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Anbauer von Lupinen haben in diesem Jahr überraschend eine gute Ernte eingefahren. Annett Gefrom wollte anfangs kaum glauben, was ihr an Bilanzen auf den Tisch flattert: »Aktuell bin ich bei einem Durchschnittsertrag von 30 Dezitonnen je Hektar«, sagt die Projektmanagerin des LupinenNetzwerks mit Sitz an Mecklenburg-Vorpommerns Agrar-Landesforschungsanstalt Güstrow-Gülzow. »Das übertrifft deutlich alle Prognosen.« In der Spitze seien sogar bis zu 35 Dezitonnen je Hektar erreicht worden.

Landwirtschaftsbetriebe in ganz Deutschland haben sich das Ziel gesetzt, wieder mehr Eiweißpflanzen für Viehfutter anzubauen und auf Importe zu verzichten. 53 Agrarbetriebe von Norddeutschland bis Nordrhein-Westfalen setzen dabei auf Lupinen, der Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen koordiniert den Anbau von Erbsen und Bohnen und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft forciert den heimischen Anbau von Soja.

Für den Ackerbau war das Wetter 2017 nicht optimal. Die Lupinen haben die Nässe zur Überraschung der Fachleute aber besser verkraftet als Raps und Getreide, deren Erträge 2017 deutlich unter den Erwartungen blieben.

Beim Projektstart 2014 war der Anbau sogenannter Körnerleguminosen bundesweit auf unter ein Prozent der Ackerfläche gesunken. Grund für den Tiefstand waren wiederholte Missernten, vor allem wegen zunehmender Krankheiten wie Anthraknose. Die Brennfleckenkrankheit befällt Stängel und Hülsen und kann zum Totalausfall führen. Daher importieren die Bauern lieber Soja zur Eiweißversorgung der Tiere. Aber Soja bereitet Probleme wegen mangelnden Qualitäten und gentechnisch veränderten Sorten. Das Netzwerk soll aus dem Dilemma herausführen.

Friedhelm Thiel, Geschäftsführer der Landwirtschafts-GmbH Petschow und Klaus Parr, Betriebsleiter auf dem landeseigenen Gut Dummerstorf, sind im Netzwerk aktiv. Ihre Unternehmen gelten als »Leuchtturmbetriebe« auf dem Weg, den Lupinenanbau zu forcieren. Parr hat in diesem Jahr Außergewöhnliches erfolgreich versucht. Erstmals häckselte der 65-Jährige seinen gesamten Bestand an Lupinen und fuhr das Ganze bereits im Juni ins Silo. Er tat dies, weil Regen und Wind keinen qualitätsgerechten Drusch vermuten ließen. Wegen des Wetters waren auch Pflanzenschutzmaßnahmen nicht möglich, Unkraut drohte die Lupinen zu überlagern. Klassisch werden Lupinen nach Abreifen der Schoten gedroschen, um nur die Körner zu verfüttern.

»Die Notlösung hat hervorragend funktioniert«, bilanziert Parr. »Wir haben eine hochwertige Silage, die Kühe fressen sie gern und geben ordentlich Milch. Wir nähern uns der 12 000-Liter-Marke je Tier.« Andere Anbauer registrieren das mit Interesse. Im Netzwerk soll die neue Erfahrung nun die Runde machen. Projektchefin Gefrom hofft auf Verlängerung des im Dezember auslaufenden Anschubprojekts durch den Bund. Sie will neue Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien verfolgen, sowohl für die tierische als auch für die menschliche Ernährung.

Was sich alle Beteiligten wünschen, sind weitere züchterische Fortschritte. Nachdem bei der Blauen Lupine bereits gegenüber Anthraknose weitgehend tolerante Sorten entwickelt wurden, steht dies für die Gelbe und Weiße Lupine noch aus. Grundsätzlich resistente Sorten gibt es nach wie vor nicht. Und auch ein punktgenau auf die Lupine abgestimmtes Siliermittel wünschen sich die Anbauer. dpa/nd

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