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Öffentlich-Private Versicherungspartnerschaft

Die Bundesregierung fördert finanziellen Schutz vor Wirbelstürmen, Überflutungen und Dürren in Entwicklungsländern

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Klimawandel ist längst zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden. Meteorologen, Mathematiker und Klimaforscher des weltgrößten Rückversicherers Münchner Rück beobachten seit Jahrzehnten die Wetterkapriolen in aller Welt. Bei solchen Unternehmen sichern sich Industriekonzerne und sogenannte Erstversicherer wie Generali, Ergo oder Allianz gegen Hochwasser, Feuersbrünste und Stürme finanziell ab. Die zunehmende Zahl von Extremwetterereignissen und der größere finanzielle Schaden - 2016 musste die Assekuranz weltweit für 50 Milliarden Dollar einstehen - gleichen die Rückversicherer im Trend durch höhere Prämien aus. Für die Versicherten wird der Klimawandel also teurer. Dies gilt in den Industriestaaten auch für kleine Gewerbetreibende und Häuslebauer. Dafür deckt der »GeoRiskReport« des Dienstleisters VDS Schadenverhütung in Köln für jedes Gebäude und jede Bauplanungs-Koordinate in Deutschland alle sicherheitsrelevanten Naturgefahrenparameter ab.

Von einem solchen Rundum-Schutz sind Reisbauern in Indien oder Kaffeeplantagenbesitzer in Kenia weit entfernt, obwohl gerade die tropischen und subtropischen Gegenden am härtesten von den Folgen der Erderwärmung betroffen sind. Die Bundesregierung hat eine marktwirtschaftliche Lösung auf den Weg gebracht, mit der mittelfristig 400 Millionen vom Klimawandel betroffene arme Menschen versichert werden sollen. Mitte Oktober gaben das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die staatliche Förderbank KfW den Startschuss für einen weiteren Baustein der Klimarisikoversicherungsinitiative »Insu-Resilience«. Der Begriff setzt sich zusammen aus der englischen Kurzform für Versicherung und dem Begriff Widerstandsfähigkeit. Dabei geht es auch darum, Regierungen zu beraten, etwa durch die Einlagerung von Saatgut vorzusorgen. Die Initiative war auf Betreiben Bundeskanzlerin Angela Merkels von den G7-Staaten im Juni 2015 beim Gipfel in Elmau begründet worden.

»Tropenstürme, Überschwemmungen, Dürren - gerade in Entwicklungsländern können Extremwetterereignisse Existenzen bedrohen und Entwicklungsfortschritte zunichtemachen«, sagt Thomas Silberhorn (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungsministerium. Im Schadensfall böten Klimarisikoversicherungen schnelle Hilfe.

Wenn der Betroffene eine solche denn abgeschlossen hat. International agierende Versicherungskonzerne wie die deutsche Allianz oder die französische Axa bieten seit einiger Zeit Klimaversicherungen in zwei Dutzend Ländern Asiens und Afrikas an. Doch selbst diese Mini-Policen kosten Geld, das möglichen Kunden fehlt.

Den gordischen Knoten durchschlagen soll nun die neue Öffentlich-Private-Partnerschaft. »Mit dem Insu-Resilience-Fonds bringen wir erstmals Privatwirtschaft, Wissenschaft und Entwicklungsländer zusammen, um passgenaue Versicherungs- und Finanzierungslösungen zu entwickeln«, wirbt Silberhorn für das Projekt. Der Fonds wird von der KfW mit 15 Millionen Euro ausgestattet. Die vergleichsweise kleine Summe soll als Anschubfinanzierung dienen und zugleich die Risikospitzen abbauen. Dadurch, so die Überlegung, sinkt das Risiko der Versicherer, die dann preiswertere Verträge anbieten können.

In der Karibik und Teilen Lateinamerikas hat man vor einem Jahrzehnt angefangen, erste öffentlich-private Versicherungen gegen Klimarisiken aufzubauen. Als in diesem Herbst Jamaika von Wirbelstürmen heimgesucht wurde, konnte binnen weniger Tage mit 30 Millionen Dollar geholfen werden. Auch die »African Risk Insurance« in Ostafrika habe sich bewährt, lobt die KfW. Bislang wurden dabei mit acht Ländern Verträge geschlossen Mit Versicherungsauszahlungen konnten zwei Millionen Menschen unterstützt und mehr als 500 000 Tiere gerettet werden.

Unter Nichtregierungsorganisationen sind solche öffentlich-privaten Projekte indes umstritten. Versicherungen griffen beim Kampf gegen den Klimawandel auch zu kurz, so die Kritik. Andererseits arbeitet beispielsweise die Hilfsorganisation Oxfam mit dem Rückversicherer Swiss Re in Äthiopiern zusammen. Angesichts wenig effizienter Regierungen in vielen Entwicklungsländern sehen Beobachter in der Einbeziehung privater Versicherer durchaus eine Chance.

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