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Kohls Heimatstadt uneins über Kohl-Ehrung

In Ludwigshafen ist der Straßenumbenennungs-Plan vom Tisch - derweil halten in Speyer seltsame Typen Grabwache

  • Lesedauer: 3 Min.

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Ludwigshafen. In Helmut Kohls Heimatstadt Ludwigshafen ist der umstrittene Plan zur Umbenennung der Rheinallee in »Helmut-Kohl-Allee« wohl endgültig vom Tisch. Nach Angaben der rheinland-pfälzischen Kommune nahm der Stadtrat am Montagabend einstimmig einen Antrag der Fraktionen von CDU und SPD an, in dem es heißt, dass an dem Umbenennungsbeschluss nicht festgehalten wird. »Die angedachte Umbenennung der Rheinallee ist bei den betroffenen Anliegern auf starke Ablehnung gestoßen«, heißt es zur Begründung.

Zugleich wird die Verwaltung beauftragt, einen angemessenen Vorschlag zur Würdigung von Kohls Verdiensten zu erarbeiten. Die Bürger sollen beteiligt werden. Der Altkanzler, der am 16. Juni gestorben war, ist Ehrenbürger der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz.

Anfang September hatten die Koalitionspartner CDU und SPD mit der FDP im Stadtrat durchgesetzt, dass die Rheinallee nach Kohl benannt wird. Die kleineren Ratfraktionen fühlten sich übergangen. Zugleich regte sich Protest bei Anwohnern. Geschäftsleute mit Läden an der Rheinallee beklagten, dass eine zweite Umbenennung innerhalb weniger Jahre mit einem großen Kostenaufwand verbunden sei. Eine Petition wurde auf den Weg gebracht. Das Thema spielte auch eine Rolle im Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten, den eine SPD-Kandidatin gewann, die das Verfahren als überflüssigen »Schnellschuss« kritisierte. Schon bald rückte die CDU-Fraktion, auf deren Initiative der Umbenennungsbeschluss gefasst worden war, davon ab.

Der nun von der Verwaltung erwartete Vorschlag solle nicht nur Kohl und seine politischen Verdienste angemessen würdigen, sondern auch »auf möglichst große Akzeptanz in unserer Stadtgesellschaft« treffen, heißt es in dem am Montag gebilligten Antrag. »Hierzu ist vor der Beschlussfassung eine Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger durchzuführen.«

Unterdessen laufen in Speyer (gleichfalls Rheinland-Pfalz), wo Kohl begraben ist, die Vorbereitungen für die Benennung einer Straße nach dem Altkanzler. Der Stadtrat hatte sich Ende November einstimmig dafür ausgesprochen und mit einigen Änderungen einen Vorschlag der CDU-Fraktion angenommen. Auch die Bevölkerung soll in den Prozess einbezogen werden. Die Details soll ein Gremium klären, dem die Mitglieder des Ältestenrats und Einzelstadträte angehören.

Kohls Grab in Speyer wurde dieser Tage für die Weihnachtszeit hergerichtet. »Angehörige haben einen kleinen Tannenbaum aufgestellt und es weihnachtlich geschmückt«, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Bäumchen ist mit elektrischen Kerzen verziert. Am Fuß des Kreuzes, auf dem Kohls Name und Lebensdaten stehen, liegt nicht nur ein Adventskranz mit roten Kerzen - es wurden auch drei kleine Weihnachtswichtel mit über die Augen gerutschten langen roten Mützen platziert. Nach Einschätzung des Sprechers ist Kohls Witwe Maike Kohl-Richter für den Grabschmuck verantwortlich.

Bislang wird das Grab zum städtischen Adenauer-Park hin noch von einem Zaun abgeschirmt. Daran befestigte Schilder machen darauf aufmerksam, dass es per Kamera überwacht wird und dass aus Respekt vor der Totenruhe Stille bewahrt werden soll. Wann das Grab einen Stein erhält, ist laut Sprecher noch nicht bekannt. Er geht davon aus, dass es erst nach der Winterpause soweit sein wird. dpa/nd

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