Blochers Reich

Im Schweizer Kanton Graubünden hat eine Unternehmer- und Politikerfamilie die Arbeiterbewegung im Griff

  • Von Martin Leidenfrost
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.
Graubünden, der größte, am dünnsten besiedelte Kanton der Schweiz, ist die europäische Region mit der größten Diversität: Die drei offiziellen Kantonssprachen Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch zerfallen in neun bis zwölf Idiome oder Dialektgruppen, und darauf liegt ein konfessioneller Flickenteppich von protestantischen, katholischen und paritätischen Dörfern. Die 150 Talschaften haben schon vor sechs Jahrhunderten angefangen, basisdemokratisch organisierte Mini-Republiken zu bilden. Innerhalb der Demokratie herrschte eine Oligarchie von maximal 40 Familien, die sich vom Wiener oder Pariser Thron adeln ließen. Die Oligarchen mussten zu Wahlen antreten, wurden aber stets in die Führungsämter gewählt. Bis heute gehört es zur Bündner Identität, dass die Gemeinden eine geradezu anarchische Autonomie genießen.

An diesem unmöglichen Ort, in einer Rheingegend namens Imboden, verbirgt sich ein kleines Industrierevier. Besonders faszinie...

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