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Nichts für schwache Nerven

Medizingeschichte zwischen Glaube, Handwerk und Wissenschaft in einem reich illustrierten Überblicksband

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Medizin fand in früheren Zeiten öffentlicher statt als heute. Jedenfalls vermitteln die Illustrationen eines Bandes zur Geschichte des Fachs den Eindruck, dass sich bei Untersuchungen und Behandlungen viel Volk tummelte. Auf einer arabischen Darstellung beobachtet ein Menschenauflauf einen Aderlass. Das Bild suggeriert, dass sich die Schaulustigen sowohl hintereinander verstecken, als auch gleichzeitig versuchen, möglichst viel zu sehen. Europäische Barbiere und Bader stehen unter Beobachtung mindestens des Hauspersonals. Koboldhafte Figuren umringen den Patienten auf einem chinesischen Gemälde. Auf dem Rücken des Mannes wird gerade Beifußpulver verbrannt, um seine Lebensenergie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Diese spezielle Stimulation der Akupunkturpunkte heißt Moxibustion und wird bis heute in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewandt.

Der prächtige Bildband führt eindrucksvoll in die Geschichte der Medizin ein. Zuerst erschien er in Großbritannien, wo das Werk von mehreren Fachberatern und einem großen Gestaltungsteam zusammengestellt wurde. Über 800 farbige, oft historische Abbildungen von Leichenöffnungen, Instrumenten, anatomischen Details und Begegnungen zwischen Arzt und Patient geben einen guten Überblick. Die medizinischen Gerätschaften sind sowohl furchteinflößend als auch beeindruckend. Staunenswert die Schraubgewinde bereits an römischen Instrumenten für die Gynäkologie, aber zugleich auch nichts für schwache Nerven.

Manche im Prinzip richtige Eingriffe gibt es seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Im Laufe der Zeit wurden sie durch Erfahrung und neues Wissen immer sicherer und erfolgreicher. Als Beispiel soll hier das Augenstechen dienen, mit dem die Eintrübung der Linse behandelt wurde. Schon vor 2600 Jahren wurde diese kleine Operation in Indien beschrieben, erste Illustrationen dazu gab es 1850 von Jean Baptiste Bourgery. In der heutigen Version wird in der Regel zugleich eine künstliche Linse eingesetzt. Für 2020 prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation 32 Millionen dieser Kataraktoperationen.

»Krankheit ist nicht gottgewollt, die Ursache führt uns zur Heilung«, wusste schon Hippokrates, der vor etwa 2400 Jahren lebte. Zitate wie dieses sind in größerer Schrift hervorgehoben und illustrieren Kenntnisstand oder medizinische Paradigmen der jeweiligen Epoche. Interessant sind die Aussagen auch in Bezug auf das Voranschreiten der Wissenschaft wie dieser Kommentar des flämischen Anatomen Andreas Vesalius aus dem 16. Jahrhundert: »Nach Aristoteles haben Männer mehr Zähne als Frauen. Nachzählen ist aber nicht verboten.«

Für alle, die sich aus Laiensicht für Medizin oder Geschichte interessieren, eine wahre Fundgrube, erst recht für jene, die sich für einen medizinischen Beruf begeistern. Gute Unterhaltung bieten kleine Episoden, etwa die Entdeckung des Phospors durch den Hamburger Alchemisten Hennig Brand. Dieser kochte sage und schreibe 60 Eimer Urin ein, erhitzte die Rückstände und gewann so eine weiße, wachsartige Substanz, die im Dunkeln leuchtete. Seine Berufskollegen fanden heraus, dass diese - das Phosphor - für Patienten mit Muskelschwäche und Energiemangel heilsam sein konnte.

Je ein umfangreiches Kapitel behandelt die Entwicklung der Frühzeit bis zum Jahr 700, Erneuerung und Renaissance von 700 bis 1800, den Siegeszug der Wissenschaft im 19. Jahrhundert sowie die Ära der Spezialisierung zwischen 1900 und 1960. Der letzte Abschnitt ab 1960 steht unter dem Titel »Alte Sorgen, neue Hoffnung«. Da geht es nicht nur um die Antibabypille, Krebs und moderne Bildgebungsverfahren, auch Roboterchirurgie, Sterbebegleitung, Ebola und Nanomedizin werden beleuchtet.

»Medizin. Die visuelle Geschichte der Heilkunst«, Dorling Kindersley München 2017, 288 Seiten, über 860 Abbildungen, 34,95 Euro.

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