Werbung

Nach dem Geschmack der Chefs

Der Wechselstubenbetreiber Travelex versucht durch Kündigung von Betriebsräten Tarifverhandlungen zu seinen Gunsten zu beeinflussen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Unterstütze das nd mit einem monatlichen Beitrag

Minimum 2,50 Euro/Monat

...oder einem Abo oder einer Spende:

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Vielleicht später...

Travelex ist ein internationaler Konzern, der in 28 Ländern Wechselstuben betreibt. Die deutsche Niederlassung ist mit knapp 50 Beschäftigten am Frankfurter Flughafen vertreten und hat noch weitere kleinere Standorte an den Flughäfen Hannover und Berlin-Tegel. Der Frankfurter Betrieb hat eine stark gewerkschaftlich organisierte Belegschaft, die konsequente Interessenvertreter in den Betriebsrat gewählt hat. Derzeit stehen im Betrieb Tarifverhandlungen an. Offenbar um die Verhandlungsposition der Gewerkschafter zu schwächen, wurden vor wenigen Wochen der Betriebsratsvorsitzende und seine Stellvertreterin von der Geschäftsleitung fristlos entlassen und mit Hausverboten belegt.

Sie wollen diese besondere Art der Maßregelung nicht auf sich sitzen lassen. Sie sind sich keiner Schuld bewusst, die Kündigungsgründe werden in den Schreiben nicht genannt. Deshalb wehren sie sich mit Unterstützung von ver.di vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gegen den Rauswurf. Doch bis zu einem Gerichtsbeschluss wird noch einige Zeit vergehen. Bis dahin können die beiden ihre Betriebsratsämter nicht ausüben. »Travelex hat mit bloßen Behauptungen dafür gesorgt, dass sie jetzt im Betriebsrat fehlen und dort die Mehrheiten gekippt sind«, heißt es in einem Soli-Info von ver.di.

Der Schlag des Managements blieb aber nicht auf die beiden Betriebsratsmitglieder beschränkt, die offenbar mit der höchsten Stimmenzahl in die Interessenvertretung gewählt worden waren. Auch ein weiteres aktives Mitglied der betrieblichen ver.di-Tarifkommission bekam einen Kündigungsbrief zugestellt. Damit sind zwei von vier Mitgliedern der Tarifkommission fürs erste ausgebootet. Travelex tritt aus Sicht von ver.di damit das demokratische Grundrecht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, mit Füßen. »Es ist das gute Recht jeder Belegschaft, einen Betriebsrat zu haben. Arbeitgeber dürfen die Betriebsratsarbeit nicht behindern«, heißt es im Soli-Info. Mit diesem Vorgehen drohe alles zerstört zu werden, was der Betriebsrat in den letzten Jahren erreicht hat. Nun hätten arbeitgebernahe Nachrücker im Betriebsrat die Mehrheit und könnten Beschlüsse gegen die Interessen der Belegschaft fassen. »Dies muss verhindert werden«, fordert die Frankfurter Gewerkschaftssekretärin Rosa Schwenger in einer Erklärung. Darin wird die Rücknahme der Kündigungen und eine Neuwahl des Betriebsrats verlangt.

Dass es sich bei den Kündigungen nicht um Launen der Geschäftsführung, sondern um einen gezielten Versuch der Zerschlagung von unliebsamen Mitbestimmungsstrukturen handelt, zeigt eine interessante Personalie auf. So lässt sich Travelex in dem laufenden Verfahren von der Kanzlei des Arbeitsrechtlers Helmut Naujoks vertreten. Diese hat sich nach eigenen Angaben auf »Krisenmanagement bei Konflikten mit Betriebsrat und Gewerkschaft« spezialisiert. Dabei vertrete sie »konsequent und ausschließlich Arbeitgeberinteressen«. Es sei »in zum Teil erbittert geführten Auseinandersetzungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften« immer wieder gelungen, die Auseinandersetzungen im Sinne der Arbeitgeber beizulegen, so die Eigenwerbung.

ver.di beobachtet aktuell ähnliche Fälle in mehreren Betrieben. So steht ebenfalls am Frankfurter Flughafen und unter Beteiligung von Naujoks auch der Betriebsratsvorsitzende der Sicherheitsfirma I-SEC unter Druck.

nd-Soliaktion 2017

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen