Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.
Über viele Erkenntnisse, die bei Betriebsweihnachtsfeiern gewonnen werden, sollte lieber geschwiegen werden. Manches jedoch ist eine Nachbetrachtung wert. So kam beim diesjährigen nd-Belegschaftsquiz einmal mehr verblüffendes Nischenwissen zutage. Und schon die selbstgewählten Namen der Teams bewiesen beeindruckende Vielseitigkeit. So belegte etwa »Wostok 2« in kyrillischen Buchstaben nicht nur die langjährige und innige Verbundenheit mit Kultur und technischen Errungenschaften des Bruderstaates, sondern auch die Sehnsucht nach den unendlichen Weiten des Kosmos. »IM Windel« stand für das Bewusstsein um die DDR-Vergangenheit wie auch das zarte Alter mancher Redakteure zum Zeitpunkt des Mauerfalls. Team »Schildkröte« wies den Blick weg von der anthropozentrischen Weltsicht hin zur Gesamtheit der Wunder des Lebens auf unserem Planeten. Bewundernswerte Zuversicht zwischen den Alles-wird-immer-schlimmer-Miesmachern zeigte das Team »Frohe Zukunft«. Knallhart politisch dagegen, das Aktuelle im Blick: Team »Koko«.

Die darin sich ausdrückende Offenheit für mehr oder weniger innovative Regierungs- und Herrschaftsformen mag damit zu tun haben, dass wir hier im Laufe der Jahre schon so einiges praktiziert haben. »Durchregiert« wurde früher, das kommt nicht mehr gut an. Zugegeben, anarchistische Ansätze haben sich als ebenso als unpraktikabel im Tagesgeschäft erwiesen wie basisdemokratische Konsensfindungen - schließlich muss die Zeitung immer fertig werden. Was flüchtig betrachtet wie eine Oligarchie (Chefredaktion) aussehen mag, erweist sich bei genauerem Hinsehen als Geflecht von funktionalen (Chefdienst), thematischen (Fachgebiet), zeitlichen (Sonntagsdienst) oder räumlichen (Seitenverantwortung) Zuständigkeiten - nebst formellen und informellen Hierarchien, wie sie überall entstehen, wenn Menschen über einen längeren Zeitraum miteinander zu tun haben.

So sind es häufig gleich mehrere kleine Minderheitsregierungen, die ihre Vorstellungen mit wechselnden Verbündeten durchsetzen wollen. Eine Große Koalition mit stabiler Mehrheit ist selten geworden, »Das haben wir immer so gemacht« zählt nicht mehr bei so vielen neuen Kolleginnen und Kollegen. Politische Überzeugungen, Freundschaftsbande, Ressort- oder Raumloyalitäten führen bisweilen ebenso zu Parteibildungen wie Alter, Herkunft, Geschlecht oder Prioritäten bei der täglichen Arbeit. Was sich am Franz-Mehring-Platz 1 abspielt, ist daher ein bisschen Kooperationskoalition. Das Redaktionsstatut, als eine Art abgespeckter Koalitionsvertrag, regelt das Redaktionshandeln im Großen und Ganzen, und doch bleiben genügend Bereiche, über die sich vortrefflich streiten lässt. Dass Team »Koko« es beim Quiz nicht aufs Treppchen schaffte, tut da nichts zur Sache.

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