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Sepiafarbene Männer

Ein neuer Comic erzählt das Leben des weltberühmten Fotografen Robert Capa

  • Von Felix Koltermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn Deine Bilder nicht gut genug sind, warst Du nicht nah genug dran«: Dieses Zitat des weltberühmten Fotografen Robert Capa ist in die Geschichte eingegangen. Der französische Zeichner Florent Silloray hat es seiner gerade auf Deutsch im Knesebeck-Verlag erschienenen Graphic Novel »Robert Capa. Die Wahrheit ist das beste Bild« vorangestellt. Er hat damit auch gleich die Messlatte hoch gelegt, fragt man sich doch, ob es gelingen kann, das Leben des in Ausstellungen, Fotobüchern, Filmen und Biografien so allseits präsenten Capa in gezeichneter Form zu erzählen.

Als Ich-Erzähler lässt Silloray Robert Capa auf sein Leben als Fotograf zurückblicken. Ausgangspunkt ist das Jahr 1954, als Robert Capa frustriert beim Skifahren in den Schweizer Alpen gezeigt wird. Der Rückblick beginnt allerdings knapp 20 Jahre früher, im Jahr 1936 in Paris, als der junge Fotograf, damals noch unter dem Namen Endre Friedmann, mit seiner Partnerin Gerda Taro beschließt, die Künstlerfigur Robert Capa zu kreieren. Von da an geht es durch die wichtigsten Stationen von Capas beruflicher Karriere, um am Ende wieder im Jahr 1954 anzukommen und mit dem Tod des Fotografen in einem koreanischen Reisfeld zu enden.

Gekonnt und mit klarem, konturiertem Strich gezeichnet, nimmt Silloray den Leser mit auf eine turbulente Reise durch Capas berufliches und privates Leben. Die meisten Episoden werden dabei auf ein bis drei Seiten abgehandelt. Was die Kolorierung angeht, hat sich Silloray für Sepiatöne entschieden, wohl als Hommage an die Welt der analogen Fotografie. Vereinzelt finden sich auch Passagen in Schwarz-Weiß, wie z.B. bei Capas Dokumentation des D-Day in der Normandie 1945, sowie einige wenige rote Farbtupfer, die zum Ende hin zunehmen, bis die komplette letzte Seite, die von Capas Tod erzählt, rot getönt ist.

Die 88 Seiten sind ein zeit- und kunsthistorischer Parforceritt durch 20 Jahre Weltgeschehen. Immer hin und her geht es zwischen Europa und den USA, Asien und dem Nahen Osten. Stars der damaligen Zeit wie Ingrid Bergman und Ernest Hemingway tauchen ebenso auf wie bekannte Fotografenkollegen, unzählige namenlose Soldaten und englische und amerikanische Offiziere. Silloray verpackt dabei gekonnt Details, die nur Insidern auffallen werden, wie etwa den Hinweis auf den in Paris zurückgelassen Koffer mit Negativen, der erst 2008 wieder auftaucht. Damit knüpft der in La Rochelle wohnende französische Zeichner im Stil an seine erste Graphic Novel an (»Auf den Spuren Rogers«), in der er die Kriegsgefangenschaft seines Großvaters in Deutschland aufarbeitete.

Auffallend sind einige Sprachentgleisungen, bei denen nicht klar ist, ob es sich bei ihnen um wörtliche Zitate Capas handelt oder ob sie der Feder Sillorays entstammen und die dem ansonsten weitgehend sachlichen Erzählstil widersprechen. So heißt es beispielsweise im Abschnitt über den spanischen Bürgerkrieg: »Braungebrannte Männer vermengen sich mit Amazonen, die ihre Fäuste in die Luft recken.« Sollte es um revolutionäres Pathos gehen, so ist es hier fehl am Platz. Auch inhaltlich gibt es zum Teil extreme Sprünge. Es wird auch nicht klar, warum z.B. die drei Jahre, in denen Capa sich intensiv mit Israel beschäftigt, auf nur einer Seite abgehandelt werden, während die kurze Zeit in Hollywood sich über mehrere Seiten zieht.

Was dem Comic fehlt, ist genau das, was die Bilder von Capa auszeichnet und ihn zum Ausnahmefotografen macht: die Nähe zu den Protagonisten. Dies liegt unter anderem am Format, das auf Dauer etwas ermüdend wirkt: wenig Wechsel in den Einstellungsgrößen und eine Sepiatönung, die eher flach und unengagiert wirkt. So wird nicht richtig klar, was Sillorays Werk von anderen Capa-Devotionalien abhebt, außer dass er das Medium Zeichnung gewählt hat.

Florent Silloray: »Robert Capa. Die Wahrheit ist das beste Bild«. Knesebeck Verlag, 88 S., geb., 22 €.

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