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Warnschuss im Morgengrauen

Konflikt zwischen Ryanair-Piloten und Management spitzt sich zu

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mehrere ARD-Regionalsender berichteten am Freitagvormittag über streikbedingte Verzögerungen des Ryanair-Flugbetriebs. So hob eine Maschine von Berlin-Schönefeld nach Mailand mit fünfstündiger Verspätung ab. In Köln/Bonn startete ein Flieger zehn Stunden später in Richtung Kopenhagen. Ein für den Vormittag geplanter Flug nach Bristol wurde auf die Abendstunden verlegt. Für Flüge ab dem Regionalflughafen Weeze (Niederrhein) nach Italien und Spanien verschob das Ryanair-Management die planmäßigen Abflüge kurzerhand auf Zeiten nach neun Uhr.

»Das war ein erfolgreicher Auftakt. Es ist uns gelungen, Druck auszuüben«, bilanzierte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, auf nd-Anfrage den vorweihnachtlichen Warnstreik. »Es ist etwas in Bewegung gekommen bei Ryanair.« Ryanair habe zwar in hektischer Betriebsamkeit den Streik durch den Einsatz von leitenden Angestellten mit Pilotenschein und von Angestellten in der Probezeit sowie durch die Rekrutierung von prekär beschäftigten Piloten zu unterlaufen versucht, um das Bild eines »Business as usual« zu vermitteln. Doch insgesamt habe eine überwältigende Mehrheit der fest angestellten Piloten an deutschen Ryanair-Stützpunkten den Streikaufruf befolgt, so Wahl. »Der Druck, den die Piloten erzeugen wollten, ist definitiv beim Ryanair-Management angekommen.«

Dass Cockpit die fest angestellten Piloten an deutschen Ryanair-Basen kurzfristig zum Streik aufrief, habe sich die irische Konzernspitze selbst eingebrockt, so Wahl. Ursprünglich hatte sich Cockpit damit zufrieden gegeben, dass der für seine besondere Gewerkschaftsfeindlichkeit bekannte Ryanair-Konzernchef Michael O’Leary nach Jahrzehnten erstmals zu Verhandlungen mit den Gewerkschaften in Europa bereit war. Doch der vorweihnachtliche Burgfrieden wurde jäh gebrochen, als sich die Konzernspitze in Dublin am Mittwoch weigerte, zwei angereiste Mitglieder der Cockpit-Verhandlungsdelegation als Gesprächspartner anzuerkennen, weil sie sich in einem Rechtsstreit mit dem Unternehmen befänden. Beiden war dem Vernehmen nach jüngst ein Kündigungsbrief ins Haus geflattert, nachdem sie sich im Betrieb offen als Akteure in der Tarifarbeit »geoutet« hatten. Wenn ein solches Unternehmergebaren Schule mache, würde Tarifarbeit ad absurdum geführt, so Wahl. »Die Angst vor Repressalien im Unternehmen nimmt aber spürbar ab«, zeigt sich der Cockpit-Sprecher zuversichtlich. Gegen die Kündigung wollen sich die Betroffenen jetzt vor Gericht wehren.

Diesen offensichtlichen Affront wollte Cockpit nicht auf sich sitzen lassen und zeigte daher am Freitag Zähne. Die Tarifkommission lasse sich nicht das Recht nehmen, selbst zu entscheiden, wer Verhandlungen begleitet», bekräftigte Cockpit-Tarifexperte Ingolf Schumacher. Das Management habe es nun in der Hand, ob es gleich nach Weihnachten zu weiteren Streiks komme. Cockpit schließt bislang Arbeitskämpfe nur für die Weihnachtstage bis einschließlich 26. Dezember aus. Wenn der Wille zu Verhandlungen auf Augenhöhe und ohne Vorbedingungen erkennbar sei, stehe seine Organisation jederzeit für Gespräche bereit. «Sollte Ryanair aber weiter diktieren wollen, wer von uns am Tariftisch sitzen darf, so ist eine weitere Eskalation denkbar», so Schumacher.

Solidarisch mit Cockpit zeigte sich die Vertretung einer anderen Berufsgruppe bei Ryanair, die demnächst selbst in den Streik treten könnte. «Die öffentlichkeitswirksame Erklärung von Ryanair, sich auf Gespräche mit Gewerkschaften einlassen zu wollen, hat sich als PR-Gag entpuppt, um über die Weihnachtstage zu kommen», heißt es in einer Erklärung der Flugbegleitergewerkschaft UFO. Ein Unternehmen, das schon bei der Auswahl der Gesprächspartner ein Veto ausspreche, habe nichts verstanden. «Auch wenn die Kabinenbeschäftigten NOCH nicht zum Streik aufgerufen sind, sind wir sicher, dass dieser Schritt sein muss und unterstützen diesen», so die UFO-Solidaritätsadresse im O-Ton.

Somit stehen nach dem ersten Streik bei dem für seinen besonders starken Druck auf Einkommen, Arbeitsbedingungen und Rechte der Beschäftigten bekannten Billigflieger die Zeichen weiter auf Arbeitskampf, der sich zu einem längeren Stellungskrieg ausweiten könnte.

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