Werbung

Die neue Balkanroute

Flüchtlinge suchen Weg in die EU über Bosnien / Kroatien macht die Grenze dicht

  • Von Elke Windisch, Dubrovnik
  • Lesedauer: 3 Min.
Unterstütze das nd mit einem monatlichen Beitrag

Minimum 2,50 Euro/Monat

...oder einem Abo oder einer Spende:

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Vielleicht später...
/Flüchtlinge warten ander kroatischen Grenze.
/Flüchtlinge warten ander kroatischen Grenze.

Wie Nadelstiche wirkt der Eisregen, der über Trebinje, einer bosnischen Kleinstadt, niedergeht. Am Stadtrand ein halbfertiges Gebäude, im Erdgeschoss die Reste eines Lagerfeuers, zwei leere Plastikflaschen und ein paar abgenagte Hühnerbeine. »Gestern Abend waren sie noch hier«, sagt Zlatko, der als freier Journalist für »Oslobođenje«, die Tageszeitung der Ostherzegowina arbeitet. Aber es sei schon zu dunkel für ein Foto gewesen. »Der Bauherr wird sie davongejagt haben. Oder die Polizei hat sie mitgenommen.«

Sie, das sind Flüchtlinge, die illegal nach Bosnien-Herzegowina eingereist sind. Allein in diesem Jahr waren es bisher 651. Das klingt erst mal wie eine Lappalie, bedeutet aber eine 380-prozentige Steigerung im Vergleich zu 2016. Und die Behörden rechnen mit mehr. Zwar ist die so genannte Balkanroute, die von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Europa führt, offiziell dicht. Inoffiziell, so Sanela Dujković, die Sprecherin der bosnischen Grenzpolizei, funktioniere sie aber weiter. Weil sie gefährlich geworden sei, würden die Migranten jedoch nach Alternativen suchen. Die neue Balkanroute führe daher von Griechenland über Albanien und Montenegro nach Bosnien. Von dort aus würden die Flüchtlinge versuchen, Kroatien und damit EU-Gebiet zu erreichen.

Die Erfolgschancen sind, was sich offenbar noch nicht herumgesprochen hat, eher gering. Kroatien drängt mit Macht in den Schengen Raum, wo es keine Grenzkontrollen mehr gibt. Allein schon weil Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig ist, Daher sind die Kontrollen an Kroatiens Grenzen zu Serbien, Bosnien und Montenegro, die gleichzeitig EU-Außengrenzen sind, schon jetzt etliche Zacken schärfer als in Deutschland. Patrouillen, ausgerüstet mit modernster Technik und Spürhunden, durchkämmen das Unterholz auch bei schwierigem Relief im Zehn-Minuten-Takt. Ihre Aufgabe ist es, potenzielle Grenzverletzer zurückzuschicken, noch bevor sie kroatischen Boden betreten.

Derzeit vor allem nach Bosnien. Dort waren im Sommer bereits mehrere Hundert angekommen, Behörden wie Hilfsorganisationen schon damals hoffnungslos überfordert. Nun droht eine humanitäre Katastrophe. Bosnien ist bitterarm und zur Zeit ist es auch noch bitterkalt. In den Bergen in der Ostherzegowina an der Grenze zu Montenegro kriecht die Quecksilbersäule tagsüber schon jetzt in der Nähe des Gefrierpunktes dahin, nachts liegen die Werte um minus zehn. Dort aber, an der Grenze zu Montenegro, werden derzeit die meisten Migranten aufgegriffen. Syrer, Iraker, Algerier, Libyer, Pakistani und Afghanen. In diesem Jahr bisher 256, im Jahr 2016 waren es nur 88. Die Dunkelziffer, fürchten Menschenrechtler, sei noch viel höher.

Zu Fuß unterwegs bewegen sie sich zunächst im weglosen Gelände abseits der Fernverkehrsstraßen. Manche probieren sogar mit morschen, von den Fischern bereits aufgegebenen Kähnen die eiskalte Drina zu überqueren. Oder sie versuchen, auf offene Güterwagen aufzuspringen und sich im Schüttgut zu verstecken.

Slobodan Ujić, Chef der bosnischen Ausländerbehörde, sagt, die Situation werde dadurch zusätzlich verschärft, dass Montenegro, arm wie Bosnien, »Illegale« zur bosnischen Grenze fahren würde. So jedenfalls hätten es die Flüchtlinge erzählt. Ujić ist wütend über die Kollegen. Einerseits. Andererseits kann er sie verstehen. Albanien, sagt er, habe bisher von Montenegro auch nicht einen einzigen Flüchtling zurückgenommen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen