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Gott in der fetten Brühe

Steimle und Luther

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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So klar war das bislang nicht: Friedrich Schorlemmer ist ein Nationalist. Ein knackiger sogar. »Ja, ich bin ein Ostbrötchen-Nationalist«, gesteht der Wittenberger Theologe dem kabarettistischen Reporter oder reportierenden Kabarettisten Uwe Steimle. Wettert gegen die Luft in der Westsemmel, überhaupt gegen alles, darin nur heiße Luft ist. Gegen Leute, die arg viel Wind machen. Ein Gespräch bei grusinischem Tee und sächsischer Urknacker. Zwei geben ihren scharfen Senf dazu. Steimle sagt: »Ich finde Frieden fast noch wichtiger als Freiheit.« Schorlemmer sagt: »Ein Frieden ohne Freiheit ist auch nur ein Scheinfrieden.« Der Pfarrer lobt Rindfleisch, der Kabarettist bringt die gute fette Brühe in die Nähe des Glaubens, denn »da ist Gott drinne, als Auge.« Und eine 96. These ergänzt das Luther-Werk: »Werde, was du bist - du kannst mehr, als du denkst.«

Diese Begegnung ist Kern des Steimle-Buches »Warum der Esel Martin heißt. Neues von Martin Luther.« Begegnungen, kritische Meditationen rund ums Reformatorische und jenen Mann, von dem Steimle zwinkernd meint: »Luther würde heute Wartburg fahren.« Texte für und wider. Lauter K-Fragen: Küchentisch und Kirche, Katastrophengegenwart und Kommunismus - und in jedem Kummer: Komik. Auch Lyrisches, der Uwe als Reimle. Und bei Kultur und Kommerz wird die leider gut verkäufliche Luther-Badeente erwähnt. »Eindeutig Weltkulturerpel.«

Steimle ist gierig auf Neues vom Alten: Er porträtiert auf seiner Reise durchs Mitteldeutsche den letzten Leiternbauer in Weißenborn, die älteste Tanzlehrerin in Eisleben. Spricht auch mit dem Esel, darauf Luther einst »mit seinem fetten Gesäß« als Junker Jörg ritt. Und beim Hallenser Maler Uwe Pfeifer geht es um »moosiges Grünschwarzpetrol«. Bildbeschreibung: kosmische Kälte, bittere Metaphorik. »Welttheaterabschied ... Ich sehe den gestrauchelten Fortschritt.«

Luther 2017: Erinnerung als gigantischer Aufwand. Nun darf der Nutzen sich erweisen: das erwartbare schnelle Vergessen, wie immer. Dies Büchlein freilich kann übers Jubiläum hinaus empfohlen werden. Ein Ratgeber, der mit politischer Weisheit auf die Erfahrungen der Geschichte schaut: Der Deckel oben hilft nie gegen den Dampf von unten. Das Leben ein Balanceakt: Das Seil wird im Laufe der Jahre dünner, aber dafür bekommt man Übung. Steimle folgt im Buch den Beiträgen, die er im Auftrag des MDR »durch unser Heimatland« unternahm. In der Wittenberger Stadtkirche hält er eine Kanzelrede. Sagt über Thomas Müntzer: »Er war unter die Räder gekommen, weil er das Rad der Geschichte zu rigoros weiterdrehen wollte.« Hinterlist mit Vordergrund: Dem Müntzer ist dies pfiffige, pfeffrige Lutherbuch gewidmet.

Uwe Steimle: Warum der Esel Martin heißt. Neues von Martin Luther. Mitarbeit: Michael Seidel. Gütersloher Verlagshaus. 158 S., geb., 16,99 €.

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