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Jahreswechsel ohne Heim und Heizung

Italienische Erdbebenopfer warten noch immer auf die versprochene Hilfe aus Rom

  • Von Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es ist ein ungewöhnlich milder Winter 2017. Die anhaltende Trockenheit des Sommers hält im Großen und Ganzen auch in den Herbst- und Wintermonaten an. Was sich für die Natur langsam zur Katastrophe ausweitet, ist für viele Menschen Umbriens, Latiums und der Abruzzen bislang ein Glück: Im August und Oktober 2016 zerstörten zwei kräftige Erdbeben viele Städte und Gemeinden der Region. 298 Menschen starben in den Trümmern ihrer Häuser in Amatrice, Accumoli und Arquata del Tronto, als ein starkes Beben am 24. August die Region erschütterte. Eine weitere Erschütterung am 26. Oktober richtete wiederum Zerstörungen an, diesmal jedoch waren keine Todesopfer zu beklagen.

Seither sind Zehntausende ohne eigenes Heim und Obdach, wohnen in Notunterkünften, Hotels oder bei Verwandten. Die Regierung Matteo Renzis in Rom versprach, bis Weihnachten genügend Holzhäuser in den Gemeinden zu errichten, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, in der Heimat zu verbleiben. Doch auch zum zweiten Weihnachtsfest nach den Erdbeben hat sich die Lage vor Ort nicht deutlich verbessert.

Millionen und Abermillionen Euro Spendengelder vom Staat, der Europäischen Union und aus privater Hand sind seit den Erdbeben geflossen. Doch offensichtlich erreichten sie weder die betroffenen Gemeinden noch die dort lebenden Menschen. Staatsanwaltschaften beschäftigen sich inzwischen mit dem ominösen Geldfluss.

Dramatischer jedoch ist, dass die versprochene praktische Hilfe nicht ankommt. Die von Renzi vollmundig angekündigten erdbeben- und klimasicheren Häuser existieren nur auf dem Papier, nicht aber vor Ort. Schon das Versprechen zum Weihnachtsfest im vergangenen Jahr wurde nicht eingehalten. Gebrochen wurde auch das Versprechen, dass bis zum diesjährigen Fest 85 Prozent der Häuser geliefert und aufgestellt würden. In den Abruzzen wurden inzwischen 26 von 238 geplanten Bauten errichtet, in Latium 687 von 826, in den Marken 562 von 1884 Häusern und in Umbrien 418 von 756. Noch dominieren in den betroffenen Gemeinden die Wohncontainer, an manchen Orten stehen gar noch die blauen Zelte des Zivilschutzes.

Doch nicht nur die reine Zahl der errichteten Bauten ist unzureichend und beschämend. Auch der technische Zustand der Holzbauten ist mangelhaft und den klimatischen Bedingungen der betroffenen Bergregionen nicht angepasst. Die Dächer haben ein zu niedriges Gefälle, um große Schneelasten zum Abrutschen zu bringen. Wasserrohre sind zu oberflächlich installiert und frieren schon bei geringen Nachtfrösten zu. Auf den Dächern montierte Boiler rotten vor sich hin. Weder Gas- noch Stromleitungen sind adäquat installiert, weder funktioniert ein Backofen noch der Kühlschrank. Vom Fernseher ganz zu schweigen, der hier - wo man nicht ins Theater oder Kino gehen kann - ein wichtiges Kommunikationsmittel und einziges Freizeitangebot ist.

Die Bewohner der betroffenen Gemeinden sind erbost und weisen laut Medienberichten die Schlüssel für diese »Häuser der Schande« zurück. »Lieber bleibe ich im Container«, erklärte Anna Rita Valentini einer Tageszeitung. Dort verbrachte sie mit Mann und Söhnen die Weihnachtsfeiertage.

Für das Jahresende hat der italienische Meteorologische Dienst eine Schlechtwetterperiode mit Sturm, Regen und Schnee angekündigt. Für die in Containern und schlecht beheizbaren Holzhäusern wohnenden Erdbebenopfer eine weitere Schreckensnachricht.

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