Werbung

Der Weg ist noch lang

Auch Kevin Münch schafft es nicht ins Achtelfinale der Darts-WM. Deutsche sind noch immer weit von der Weltspitze entfernt

  • Von Tobias Schwyter, London
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Auf die große Sensation folgte die bittere Enttäuschung: Mit gequältem Lächeln warf Kevin Münch die Flügel seiner Pfeile ins Publikum. Doch der leere Blick offenbarte das Seelenleben des Bochumers nach der verpassten Chance, deutsche Darts-Geschichte zu schreiben. Die Achtelfinalteilnahme eines Deutschen bei der Darts-WM bleibt ein Traum - der Abstand zur Weltspitze ist immer noch zu groß.

»Ich bin einfach nicht in mein Spiel reingekommen. Ich habe kein gutes Gefühl gehabt und zu Recht verloren«, sagte der 29-Jährige bei Sport1 mit gesenktem Kopf. Beim deutlichen 1:4 gegen den Spanier Toni Alcinas hatte Münch zu keiner Zeit an die überragende Leistung seines Erstrundensieges gegen den zweimaligen Weltmeister Adrian Lewis anknüpfen können.

»Ich werde davon nicht sterben, Darts-Deutschland wird davon nicht untergehen«, sagte Münch. Dennoch verdeutlichte die Partie, dass die deutschen Spieler noch einen weiten Weg in die Weltspitze vor sich haben. Schon der zweite deutsche Teilnehmer, Martin Schindler aus Strausberg, hatte bei seinem Aus in der Auftaktrunde gegen den Australier Simon Whitlock auf der großen Bühne nicht sein bestes Spiel gezeigt.

Bereits vor dem Turnier hatte kaum jemand mit einem deutschen Coup gerechnet. »Der beste deutschsprachige Spieler ist Mensur Suljovic, aber der kommt aus Österreich. Der Rest spielt nur okay«, hatte Titelverteidiger Michael van Gerwen im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst SID gesagt: »An einem guten Tag können sie jeden schlagen, aber aus irgendeinem Grund werden sie noch nicht besser.«

Für den fünfmaligen Weltmeister Raymond van Barneveld liegt der Schlüssel zum Erfolg in der völligen Hingabe zum Sport. »Darts ist Arbeit. Du musst alles andere hintenanstellen - deine Frau, dein Baby, deinen Geburtstag, Weihnachten - du musst alles aufgeben, um der Beste werden zu können«, sagte der Niederländer. Münch, der erst im Sommer seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner abgeschlossen hatte, konnte sich hingegen nach eigener Aussage nur einen Monat lang gezielt auf seine zweite WM-Teilnahme vorbereiten.

Auch Sport1-Kommentator und Darts-Experte Elmar Paulke sieht hier Verbesserungspotenzial. »Ich glaube, dass deutsche Spieler nicht professionell trainieren - auch, weil sie kein nationales Vorbild haben und keiner sie an die Hand nimmt«, sagte er. »Sie arbeiten nicht mit Trainingskontrollen, nicht mit Videoanalysen, sie arbeiten nicht wirklich mit Mentaltrainern. Du musst Darts in deinen Lebensmittelpunkt stellen. Da fehlt es noch.«

Als Vorbild für die deutschen Spieler nennt auch Paulke Suljovic. Der Österreicher, der einige Jahre mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet hatte, gewann in diesem Jahr sein erstes Major-Turnier und reiste als Nummer fünf der Welt zur WM.

»Den Deutschen fehlt ja gar nicht so viel, die spielen zwischendurch gut. Es fehlt die Konstanz, und in wichtigen Momenten können sie nicht ihr bestes Spiel spielen. Die Probleme liegen im mentalen Bereich. Das kannst du dir aber antrainieren«, sagte Paulke. Und auch Dominator van Gerwen ist sich sicher: »Wir alle wissen, dass es eines Tages einen richtig guten Spieler in Deutschland geben wird. Aber das braucht noch ein bisschen Zeit.« SID/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen