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Komm zurück nach Elbe-Elster

Die Staatskanzlei unterstützt im kommenden Jahr vier Rückkehrerinitiativen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
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Staatssekretärin Katrin Lange besucht den Arzt Michael Tanneberger in Doberlug-Kirchhain.
Staatssekretärin Katrin Lange besucht den Arzt Michael Tanneberger in Doberlug-Kirchhain.

Er ist in Finsterwalde geboren und in Doberlug-Kirchhain aufgewachsen. Dann ging er nach Berlin, um Betriebswirtschaftslehre zu studieren, wechselte aber ins Fach Medizin und zog nach Leipzig. Dort hat Michael Tanneberger viele Jahre gelebt. »Leipzig ist eine schöne Stadt«, schwärmt der 43-Jährige. Doch die Kinder sollten auf dem Land aufwachsen, entschied er mit seiner Frau. Darum zog die Familie nach Finsterwalde. Der Arzt arbeitet seit einiger Zeit in der Ambulanz des Asylheims in Doberlug-Kirchhain. Die Krankenschwestern, die ihn hier unterstützen, sind toll, lobt Tanneberger begeistert.

Der Mediziner sei gewissermaßen einer der Rückkehrer, um die sich das Land Brandenburg bemüht, auch wenn Leipzig nur 100 Kilometer entfernt liegt, bemerkt Innenstaatssekretärin Katrin Lange als Tanneberger kurz seinen Lebensweg schildert. Die Staatssekretärin hat unmittelbar zuvor eine Rückkehrermesse in Calau besucht.

Extra zwischen Weihnachten und Neujahr gab es derartige Veranstaltungen auch in Schwarzheide, in Cottbus, in Finsterwalde und in Eberswalde. Die Idee ist genial. Viele ehemalige Brandenburger, die als junge Menschen seit den 1990er Jahren auf der Suche nach Arbeit oder einem Ausbildungsplatz in den Westen gegangen sind, haben in dieser Zeit frei und besuchen die Eltern in der alten Heimat. In der Fremde haben sie sich in der Regel etabliert, haben anständig bezahlte Jobs - aber auch Kinder, um die sich die Großeltern nicht kümmern können, weil sie viel zu weit weg wohnen. Heimweh spielt auch eine Rolle. Viele sind damals nicht gern gegangen. In den Zeiten der Massenarbeitslosigkeit blieb aber oft kein anderer Ausweg.

Diverse Rückkehrerinitiativen helfen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, einer Wohnung und nach Kitaplätzen in der alten Heimat. Vier dieser Initiativen werden von der rot-roten Landesregierung finanziell gefördert. Im kommenden Jahr erhalten sie zusammen knapp 200 000 Euro. Die engagierte Arbeit der Initiativen sei wichtig, »um die demografische und regionale Entwicklung in Brandenburg zu stabilisieren«, sagt Staatskanzleichef Thomas Kralinski. Die Fördermittel seien gut angelegtes Geld, »denn die Rückkehrer sind ein Gewinn«.

Darum hat Brandenburg Interesse an diesen Menschen. Ihre Heimkehr ist eine Möglichkeit, dem drohenden Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. Schließlich wird befürchtet, dass bis zum Jahr 2020 etwa 95 000 Fachkräfte fehlen könnten. Die Landtagsabgeordnete Roswitha Schier (CDU) verweist darauf, dass ihre Partei schon jahrelang ein Zukunftskonzept für Rückkehrer verlangt habe. »Mittlerweile haben auch SPD und LINKE die positiven Effekte der Rückkehrer-Maßnahmen erkannt«, sagt Schier. Die Landesregierung müsse aber noch aktiver werden. »Maßnahmen müssen evaluiert und Ressourcen gebündelt werden. Derzeit gibt es noch viel Stückwerk«, denkt Schier. »Was wir benötigen, ist eine zentral gesteuerte Strategie zur Fachkräftegewinnung und eine Kampagne zur freiwilligen Rückkehr in unsere wunderschöne Heimat.«

Schon vor Jahren erzählte der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei jeder sich bietenden Gelegenheit, die Lage habe sich fundamental gebessert. Es sei niemand mehr gezwungen, aus beruflichen Gründen Brandenburg zu verlassen. Es gebe Chancen nun auch hier.

Doch es dauerte seine Zeit, bis das bei den Menschen ankam. Quasi aus Gewohnheit, vor allem aber auch wegen der höheren Löhne, suchten sich noch weiter viele Schulabgänger eine Lehrstelle im Westen. Die Arbeitslosenquote ist inzwischen weiter gesunken, liegt nur noch bei 6,5 Prozent. Die Einkommen haben sich ebenfalls verbessert, liegen allerdings immer noch unter dem Westniveau.

Der aktuelle Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist übrigens auch ein Rückkehrer. 1961 geboren in Naundorf bei Forst, leitete der Agraringenieur von 1990 bis 1992 in Bayern die wissenschaftliche Abteilung der Sano-Mineralfutter GmbH. Doch gegen den Trend bekam er bereits 1992 die Chance zur Heimkehr, übernahm damals den Chefposten im Amt für Umwelt und Landwirtschaft des Landkreises Spree-Neiße.

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