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Gegen die Macht

Golden Globes: Fatih Akins Drama »Aus dem Nichts« wurde als bester nicht englischsprachiger Film ausgezeichnet

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Die ganze Welt weiß Bescheid, es ist ja auch kein großes Geheimnis: Mit Figuren wie Dieter »Didi« Hallervorden, Katja Riemann, Til Schweiger und Matthias Schweighöfer kann man in der internationalen Filmkunst nicht viel holen.

Wenn auch seit einigen Jahren, wie’s scheint, das Filmland Frankreich sich in der hart umkämpften Disziplin »Wer dreht die schlechtesten Filmkomödien?« redlich bemüht, Deutschland mehr und mehr den Rang abzulaufen. Anderenfalls wäre ja ein derart grauenvoller und mit rassistischen Klischees zum Bersten vollgestopfter Klamaukfilm wie etwa »Monsieur Claude und seine Töchter«, der sich frecherweise den Anschein gibt, für Toleranz und Weltoffenheit zu werben, nicht produziert worden. 2014 war die »turbulente Komödie«, die obendrein ein Geschlechter- und Familienbild transportiert, das aus den Heinz-Rühmann-Filmen der Adenauerzeit stammen könnte, in Frankreich einer der bis heute meistgesehenen Filme aller Zeiten, in Deutschland war der Film seinerzeit im Kino der am meisten gesehene französische.

Bei der Deutschen Presseagentur war man auch deshalb gestern ganz aus dem Häuschen, weil das deutsche Filmdrama »Aus dem Nichts« von Fatih Akin (»Gegen die Wand«, »Tschick«), in dem es um einen Terroranschlag in Hamburg geht, bei dem ein Kurde und sein Sohn sterben, in den USA den Golden Globe für den »besten Auslandsfilm« gewonnen hat: »Es ist der erste Golden Globe für einen deutschen Film seit acht Jahren«, jubelte man bei der dpa. Der Golden Globe gilt international als einer der renommiertesten Film- und Fernsehpreise. »Zuletzt hatte 2010 das Schwarz-Weiß-Drama ›Das weiße Band‹ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke den Auslands-Globe nach Deutschland geholt«, schreibt die Presseagentur.

Der 44-jährige Akin, Sohn türkischer Einwanderer, freute sich über die Auszeichnung und sagte, es gehe seinem Film auch darum, dass die Anschläge der Neonazi-Terrorgruppe NSU nicht in Vergessenheit geraten. »Das ist das Wichtigste und Beste an so einem Preis.«

Kritikerinnen und Kritiker des Films, dessen Vorbild die NSU-Mordserie in Deutschland ist, bemängeln allerdings unter anderem, dass Akin sich dafür entschieden hat, die Gesellschaft bzw. den gesellschaftlichen Rassismus weitgehend aus seinem Film auszuklammern, ihn also politisch zu entschärfen und ihn stattdessen nahezu ausschließlich auf das Leiden, den Zorn und die Rache der Protagonistin zuzuschneiden.

Der große Gewinnerfilm bei den Golden-Globes-Verleihungen ist der unorthodoxe Independent-Krimi »Three Billboards Outside Ebbing, Missouri« des irischen Regisseurs Martin McDonagh, der von einer Mutter erzählt, die gegen ignorante Polizeibeamte und um die Aufklärung des Mordes an ihrer Tochter kämpft. Das Werk wurde als bestes Drama ausgezeichnet und gewann drei weitere Trophäen. Der großartige Film startet am 25. Januar in den deutschen Kinos.

Die Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In Ihrer Rede, in der es auch um die metoo-Debatte ging, sagte sie unter anderem: »Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren. Aber deren Tage sind gezählt!« Viele der Anwesenden waren komplett in Schwarz gekleidet, um derart auf die fortgesetzte sexuelle Belästigung von Frauen und die Diskriminierung von Minderheiten hinzuweisen.

Akins Film »Aus dem Nichts« wird im Übrigen dieses Jahr auch der deutsche Beitrag für die im Februar bevorstehenden Oscar-Verleihungen in den USA sein.

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