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Am meisten Gewinn gibt es mit Caracas

Ausgerechnet der Kapitalmarkt von Venezuela führt die Rendite-Hitliste der Welt an

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
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Dass die Aktienkurse auch in Venezuela stiegen, dürfte vor allem am stabilisierten Ölpreis liegen.
Dass die Aktienkurse auch in Venezuela stiegen, dürfte vor allem am stabilisierten Ölpreis liegen.

Der Gewinner ist - Venezuela! Aktien des amerikanischen Landes erzielten im vergangenen Jahr die höchste Rendite. Weltweit. Wer im Januar 100 000 Euro in venezolanische Aktien angelegt hatte, durfte sich Sylvester über ein Vermögen von mehr als 3,5 Millionen Euro freuen. Eine schier unglaubliche Rendite, die selbst für die hippe, hochspekulative Internetwährung »Bitcoin« unerreicht blieb. Etwas weniger überraschend sind die hohen Renditen, die mit handelsüblichen Wertpapieren erzielt wurden. »2017 war ein hochprofitables Jahr für Aktieninvestoren«, fasst die Deutsche Asset Management in ihren Rückblick zusammen. Alle großen Indizes wie der amerikanische Dow Jones oder der deutsche DAX legten zu und fast alle Prognosen wurden übertroffen.

Die Deutsche Asset Management ist der Markenname für die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Mit einem verwalteten Vermögen von über 700 Milliarden Euro gehört sie zu den ganz Großen in der Finanzbranche. »Betrachte man die Treiber, so kann man einige interessante Beobachtungen machen«, schrieben nun ihre Analysten. Die Gewinne stiegen rund um den Globus, viele Unternehmen konnten ihre Profite um zweistellige Prozentraten erhöhen. Doch die Aktienkurse spielten nicht überall im gleichen Tempo mit.

Die Börsen in den USA nahmen eine zukünftige Entlastung durch die vom Präsidenten Donald Trump angekündigte Steuerreform vorweg. Was sich in steigenden Bewertungen widerspiegelt. Die bereits relativ hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) stiegen noch weiter an. Dabei gilt das KGV - also das Verhältnis des Profits, welches ein Unternehmen im Jahr erzielt, zu seinem Börsenwert - als wichtiges Indiz zur Bewertung einer Aktie. Sind die Gewinne hoch, der Börsenkurs aber niedrig, gilt eine Aktie als unterbewertet: Der Kauf dieses Wertpapiers verspricht dann erhebliche Kursgewinne. Steigt der Kurs, steigt auch das KGV. Ein allgemein hohes Niveau des Kurs-Gewinn-Verhältnisses - wie jetzt in den USA und auch in einigen Schwellenländern - gilt Experten als Warnsignal: Der Ausstieg vieler Anleger droht und die Kurse könnten erheblich fallen. Möglicherweise kommt es zu einem Börsencrash. Seit kurzem empfehlen einige Bankanalysten den Ausstieg aus zu hoch bewerteten Aktien.

Anders als in den USA lief das Börsenjahr in Europa und Asien. Bei europäischen sowie japanischen Indizes blieb die Kursentwicklung unterhalb des Gewinnwachstums. Das KGV sank also. Da die Dividenden, die Aktionäre alljährlich kassieren, in Europa traditionell etwas höher ausfallen als in den USA, und sie in manche der Börsenbarometer eingerechnet werden, legten jedoch auch die EU-Aktien noch erheblich zu.

Dass nicht allein aktuelle und künftige Unternehmensgewinne Anleger überzeugen, bestimmte Wertpapiere zu kaufen, sondern auch politische und konjunkturelle Erwartungen, zeigen andere Platzierungen in der globalen Rendite-Hitliste. So schnitten die deutschen 30 Spitzenkonzerne im DAX besser als die Wall Street ab. Und deutsche Technologieaktien liegen global ganz weit oben.

Dort tummeln sich sonst vor allem »Exoten« wie mongolische oder ukrainische Aktien. Sie gelten wirtschaftlich als besonders riskant - aber da die Aktienmärkte klein sind, kommt es leicht zu großen Kurssprüngen. Die können aber auch ins Auge gehen. Wer 2017 beispielsweise auf Russland oder Pakistan setzte, musste herbe Verluste hinnehmen. Aus 100 000 Euro in russischen Aktien wurden 88 000; und der pakistanische Index »Karachi 100« fiel sogar auf 70 Prozent seines Wertes zu Jahresbeginn.

All das erklärt aber nicht die wundersame Kursrakete, die an der Börse in Caracas abgeschossen wurde. Eine Rendite von 3500 Prozent ist, nun ja, ungewöhnlich. Zumal das Land und die Menschen seit längerem unter einer tiefen Wirtschaftskrise leiden. Die Hyperinflation steigt auf über 2600 Prozent, hieß es Dienstag aus Oppositionskreisen. Die Regierung bereitet eine Währungsreform vor.

Darauf dürften einige Anleger setzen sowie auf die Hoffnung, dass die Wirtschaft so weit unten sei, dass es nur noch aufwärts gehen könne. Auch hat sich 2017 der für Venezuela wichtige Ölpreis stabilisiert. Doch der Hauptgrund für den Börsenboom dürften die Kapitalverkehrskontrollen sein. Viele venezolanische Aktien werden auch in New York und an anderen ausländischen Börsenplätzen gehandelt. So können Wertpapiere mit venezolanischem Bolívar in Caracas gekauft und dann im Ausland in Dollar getauscht werden.

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