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Grollend in der Sardinenbüchse

Vom Frust der Bahnpendler im Rhein-Main-Gebiet

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Danke, danke, für die morgendliche kuschelige Sardinenbüchse nach Frankfurt. Da fängt das Jahr gleich super an.« So oder ähnlich verschafft der Wiesbadener Claus-Stephan Schlangen seit Jahresbeginn immer wieder in sozialen Netzwerken seiner Wut über einen Dauerzustand im Rhein-Main-Gebiet Luft. »Da fährt man lieber Auto. Ganz tolle Werbung für den ÖPNV«, kommentiert er seinen morgendlichen Start in den Alltag.

Schlangen pendelt jeden Tag mit dem Zug von der hessischen Hauptstadt nach Frankfurt am Main. Laut Fahrplan dauert die Reise im Regionalexpress der privaten Vias GmbH 33 Minuten. Doch für viele Pendler, die sich bewusst nicht über die volle Autobahn A 66 quälen wollen, beginnt der Tag mit Stress, weil sie im chronisch überfüllten Zug keinen Sitzplatz ergattern. Und starker Fahrgastandrang zieht oft Verspätungen nach sich.

Schlangens Ärgernisse sind auch dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bekannt, der für öffentliche Busse und Bahnen im südlichen Hessen zuständig ist. Vias nutze die am Wochenende in Hessen zu Ende gehenden Schulferien, um Wartungsarbeitern an Fahrzeugen durchzuführen, erklärt eine RMV-Sprecherin und berichtet von zusätzlichen Störungen aufgrund einer defekten Wasserpumpe. Schlangen erlebt das Problem fehlender Sitzplätze allerdings nicht nur in den Schulferien, sondern fast permanent und zu allen Jahreszeiten. »Die Kapazitäten scheinen auf Kante genäht zu sein, so dass schon eine Schulklasse auf Ausflug für Chaos sorgen kann. Und oft ist es nicht nur eine«, berichtet der Wiesbadener.

Davon können auch andere Pendler ein Lied singen, die aus allen Himmelsrichtungen täglich nach Frankfurt am Main reisen. So hat die Pünktlichkeit der Regionalbahnen in Hessen abgenommen. Sie sank von 94,5 Prozent im Jahre 2014 auf rund 91 Prozent im abgelaufenen Jahr. Der Verkehrsverbund hat für den Unmut grollender Fahrgäste 2017 ein neues Ventil geschaffen: die Zehn-Minuten-Garantie. Wer als Inhaber einer RMV-Fahrkarte mit einer Verspätung von über zehn Minuten am Ziel ankommt, kann dies reklamierten und hat Anspruch auf einen Erstattungsbetrag, spätabends sogar auf ein Taxi.

Seit Inkrafttreten dieser Regelung im Juni 2017 bis zum Jahresende habe es rund 211 000 solcher Garantiefälle gegeben, die sich überwiegend auf Schienenverkehr bezögen, heißt es von der RMV-Pressestelle. Dabei sei eine halbe Million Euro ausbezahlt worden. 90 Prozent der Antragssteller seien Zeitkarteninhaber, erklärte eine Sprecherin.

Nicht immer sind Verspätungen hausgemachte Folge des Spardrucks der Bahngesellschaften. Auf dem chronisch überlasteten Netz drängen sich auch viele Fern- und Güterzüge. Suizide auf Gleisen und technische Defekte sorgen immer wieder für stundenlanges Chaos.

Viele Fahrgäste scheuen die mit einem Erstattungsantrag verbundenen Prozeduren und den Zeitaufwand. Sie wollen statt »Mini-Schmerzensgeld« lieber pünktliche Züge und Busse, mehr Sitzplätze, niedrigere Tarife. So hält auch Claus-Stephan Schlangen die Regelungen für ein bürokratisches Monstrum, mit dem er sich nicht rumschlagen möchte. Laut einer jüngsten Umfrage im Auftrag des SWR-Magazins »Report Mainz« fordern übrigens 42 Prozent der Befragten mehr Busse und Bahnen. »70 Prozent würden häufiger auf das Auto verzichten, wenn die Angebote verlässlicher, bequemer und preiswerter wären«, so »Report«-Moderator Fritz Frey.

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