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Bauern wollen Wildschweine jagen

Agrarverband verlangt »unkonventionelle Maßnahmen« zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt vor den Gefahren der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die sich von Osteuropa allmählich in Richtung Deutschland ausbreitet. Anfang Januar wurden erstmals infizierte Wildschweine in Tschechien gefunden, nur 300 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bei einem Ausbruch drohen den Schweinehaltern und den nachgelagerten Fleischverarbeitern Einbußen in Milliardenhöhe, da jeder Infektionsfall die Keulung kompletter Bestände und darüber hinaus Transport- und Exportverbote nach sich ziehe, warnte DBV-Vizepräsident Werner Schwarz am Freitag in Berlin. Der Verband fordert daher schnelle und durchgreifende Präventionsmaßnahmen

An erster Stelle steht dabei die intensive Bejagung von Wildschweinen, die als wichtigster Überträger der Krankheit auf Hausschweine gelten. Auch die im vergangenen Jahr erreichte Rekordzahl von bundesweit über 600 000 Abschüssen habe das weitere Wachstum der Wildschweinpopulation nicht stoppen können, so Schwarz. Mittelfristig müsse eine Reduktion der Bestände um 70 Prozent angestrebt werden. Für Jäger müsse ein Anreizsystem geschaffen werden, da sich die Wildschweinjagd aufgrund der begrenzten Vermarktungsmöglichkeiten nicht lohne und durch die Tierkörperbeseitigung hohe Kosten verursache. Um den Bejagungsdruck wirksam zu erhöhen, müssten auch »unkonventionelle Maßnahmen eingeleitet werden«, wie die Zulassung der Fallenjagd und die Ausweitung der Jagd in Schonzeiten und Schutzgebieten.

Ferner fordert der Verband, die Infektionsmöglichkeiten durch verunreinigte Fleischprodukte aus Osteuropa einzudämmen, etwa durch wildsichere Müllbehälter an Raststätten und mehrsprachige Warnhinweise sowie Aufklärungsbroschüren an Grenzübergängen, Transitrouten und Bahnhöfen. Der Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Henrik Wendorff, erklärte allerdings am Freitag im rbb-Rundfunk, dass es nicht mehr darum gehe »ob ASP in Deutschland ausbricht, sondern wann«. Dem mochte sich Schwarz nicht anschließen. Schließlich wolle man die eigene Forderung nach umfassender Prävention nicht konterkarieren.

ASP betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine und ist weder auf andere Tierarten noch auf den Menschen übertragbar. Eine Erkrankung verläuft in fast allen Fällen tödlich, es gibt keine Medikamente oder Impfungen gegen das Virus. Die Ansteckung erfolgt direkt über den Kontakt zwischen den Tieren oder durch die Aufnahme infizierten Materials. Dazu gehören zum Beispiel Küchenabfälle oder Essensreste, aber auch Kot und Blut infizierter Tiere. Indirekte Übertragungswege sind unter anderem kontaminierte Werkzeuge oder Transportfahrzeuge. Das ASP-Virus ist extrem ansteckend und kann beispielsweise durch Rohwurst und Schinken noch sechs Monate nach der Verarbeitung verbreitet werden.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) teilt die Befürchtungen Bauernverbandes. Ein Ausbruch der Krankheit in Deutschland wäre eine Katastrophe und würde nicht nur die großen Mastbetriebe treffen, so AbL-Sprecher Ulrich Jasper gegenüber »nd«. Allerdings trüge die diversifizierte industrielle Fleischproduktion viel zur Ausbreitung derartiger Krankheiten bei. Auf den Stationen von der Ferkelzucht über Mast, Schlachtung, Weiterverarbeitung und Vertrieb werde Schweinefleisch mitunter »Tausende von Kilometern kreuz und quer durch Europa gekarrt«.

Auch die internationale Umweltorganisation WWF verweist auf hausgemachte Ursachen. Durch den rasant wachsenden Anteil von Raps- und Mais-Monokulturen fänden Wildschweine exzellente Lebensbedingungen und seien dort zudem kaum zu bejagen, so WWF-Wildtierexperte Moritz Klose gegenüber »neues deutschland«. Zwar sei es notwendig, den Wildschweinbestand zu dezimieren, um den wichtigsten Übertragungsweg der Krankheit einzudämmen, doch das werde als wirksamer Schutz kaum ausreichen. Der Schlüssel für eine wirksame Regulierung der Schwarzwildbestände sei daher »mehr Vielfalt bei den Anbauflächen und deutlich weniger Mais- und Rapswüsten«, so Klose.

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