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Mehr Freunde, weniger Medien

Zuckerberg verkündet, dass künftig mehr Beiträge von Freunden im Newsfeed auftauchen sollen, anstatt Medien und Unternehmen

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Facebook: Mehr Freunde, weniger Medien

Menlo Park. Mehr Katzenvideos als Zeitungsartikel? Facebook-Nutzer werden künftig vermehrt Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen. Damit solle das weltgrößte Online-Netzwerk wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag in der Nacht zum Freitag. Die Änderung gehe auf Wünsche von Nutzer zurück. Verhaltene Kritik gab es zunächst von Medienschaffenden.

Die Beiträge von Unternehmen und Medien sollen danach priorisiert werden, »ob sie zu bedeutungsvollen Interaktionen ermutigen«. Mit anderen Worten sollen Inhalte, zu denen sich ein Nutzer und seine Freunde äußern, höher im Newsfeed platziert werden. Facebook will dabei mit Hilfe seiner Algorithmen versuchen, Voraussagen darüber zu treffen, über welche Beiträge sich die Nutzer austauschen wollen.

Beiträge von Facebook-Seiten werden damit zwar grundsätzlich weiterhin den Weg in den Newsfeed finden - aber nur dann bevorzugt, wenn sich der Freundeskreis darüber austauscht. Für viele Unternehmen und Medien dürften die Änderungen einen radikalen Einschnitt bedeuten. Facebook hatte in den vergangenen Jahren im Gegenteil versucht, verstärkt zur Plattform für Medieninhalte zu werden. Viele Medien und Marken setzen darauf, Menschen über Facebook zu erreichen - schließlich hat das Online-Netzwerk weltweit mehr als zwei Milliarden Mitglieder.

»Ich halte die Facebook-Maßnahme für problematisch«, sagte der Sprecher des Deutsche Journalisten-Verbands (DJV) Hendrik Zörner der Deutschen Presse-Agentur. »Facebook ist als Kommunikationsmedium von hohem Stellenwert und hoher Bedeutung. Aber das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.«

Auch der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis sieht die Pläne problematisch. Die Plattform habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schrieb Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung angesichts der Bedeutung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medienunternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

»Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird«, sagte Facebook-Manager John Hegeman der dpa. Die Zahl der Anzeigenplätze im Newsfeed werde zugleich nicht erhöht. Damit wäre es denkbar, dass der Schritt den Wettbewerb um vorhandene Werbeslots anheizt. Zugleich können Nutzer selbst in den Einstellungen dafür sorgen, dass die Beiträge von Seiten, denen sie folgen, ganz oben im Newsfeed auftauchen - und damit die Änderung aushebeln.

»Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben«, erklärte Zuckerberg. Das solle das Wohlbefinden der Nutzer stärken. »Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein.«

Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden, räumte Zuckerberg ein. »Aber ich erwarte auch, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird.« Damit werde die Entscheidung auf lange Sicht auch für das Geschäft gut sein. »Wir müssen das System neu fokussieren«, sagte der Facebook-Chef der »New York Times«.

Hegeman erklärte, hinter dem Schritt stecke kein Versuch, politische Kontroversen um Facebook-Inhalte zu entschärfen. »Nein, dahinter steckt keine politische Motivation.« Das Online-Netzwerk war vor allem nach dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 für die Ausbreitung gefälschter Nachrichten auch über dubiose Facebook-Seiten kritisiert worden. dpa/nd

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