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»Ich fühle mich kampfeslustig«

Mieter der Braunschweiger Straße 51 wollen für ihr Haus ein Vorkaufsrecht erstreiten

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Die Mieter der Braunschweiger 51 hoffen auf Hilfe durch den Bezirk.
Die Mieter der Braunschweiger 51 hoffen auf Hilfe durch den Bezirk.

»Bis Anfang Februar halte ich mein Gesicht in jede Kamera«, sagt Roland Naumann und lacht. Naumann ist hochgewachsen, schwarzer Vollbart und schwarzer Pullover. Seit er und seine Nachbarn Ende vergangenen Jahr mitbekommen haben, dass ihr Haus in der Braunschweiger Straße 51 in Neukölln verkauft werden soll, sind sie alarmiert. Jetzt wollen sie gemeinsam erreichen, dass der Bezirk das Haus über eine städtische Wohnungsbaugesellschaft kauft. Das ist möglich, da das Haus im Milieuschutzgebiet liegt. Da für Vorkäufe eine Zweimonatsfrist gilt, ist die Zeit knapp. »Am 9.12. hat unser Vermieter den Kaufvertrag beim Bezirk eingereicht. Am 9. Februar läuft die Frist aus«, sagt Naumann.

Im September vergangenen Jahres fragte der Vermieter Naumann, ob er mit einem potenziellen Käufer die Wohnung besichtigen könne. Naumann erinnert sich: »Es war ein Herr Bouché. Sie schauten sich die Wohnung nur recht oberflächlich an.« Als Naumann sich näher nach dem potenziellen Käufer erkundigte, sagte Bouché, dass er im Auftrag einer sehr reichen luxemburgischen Familie handele. Naumann horchte auf. Er besprach sich mit anderen Mietern des Hauses, ein erstes Treffen wurde organisiert und eine Strategie besprochen. »Wir haben uns erst einmal über die rechtliche Lage informiert.« Außerdem holten sich die Mieter Expertise vom Mieterverein und luden Vertreter des Mietshäusersyndikats ein, das Hausgemeinschaften dabei unterstützt, Mietshäuser zu kaufen oder bauen. Eigentümer werden Vereine, dessen Mitglieder aus den Mietern bestehen. Damit sollen die Häuser nicht zu Spekulationsobjekten werden und die Mieten möglichst niedrig bleiben.

Ellen Baumm, Thomas Schuller und eine andere Mieterin, die ihren Namen wegen »schlechter Erfahrungen« lieber nicht nennen möchte, beraten in Naumanns Wohnung über das weitere Vorgehen. Es gibt Sprudel und Chips. »Die Gemeinschaft der Mieter hilft total«, meint Ellen Baumm, »wir können uns so gegenseitig wieder aufbauen«. Sie schrieben einen Brief an Ihren Vermieter, zu dem sie bislang ein gutes Verhältnis hatten. Der aber schaltete auf stumm. Sie wandten sich an verschiedene Stiftungen und Genossenschaften, trafen sich mit Mietern der Liberdastraße, für die der Bezirk das Vorkaufsrecht ausgeübt hatte. Das fordern die Mieter der Braunschweiger Straße auch für ihr Haus. Dazu stehen sie mit dem zuständigen Bezirksstadtrat Jochen Biedermann (GRÜNE) in Austausch. Am 24. Januar wollen sie ihr Anliegen in der Bezirksverordnetenversammlung vortragen. Vor kurzem haben sie sich außerdem mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt.

Dass sich die Mieter eines Hauses zusammenfinden und sich an den Bezirk wenden ist eine gute Strategie, findet Wibke Werner vom Berliner Mieterverein. »Für Mieter ist es oft schwierig, überhaupt mitzukriegen, ob das Haus verkauft wird. Oft sind Wohnungsbesichtigungen ein Vorgang, der misstrauisch machen sollte. Wenn allerdings der Brief kommt, dass man seine Miete auf ein neues Konto überweisen soll, ist es zu spät«, so Werner. Das Hauptproblem für Mieter und auch für den Bezirk sei die kurze Frist, die für eine Anwendung des Vorkaufsrechts vorgesehen ist. Grundsätzlich sei das Mittel aber ein gutes Puzzlestück, um Menschen vor hohen Mietsteigerungen zu schützen. »Das Vorkaufsrecht ist ein wesentliches Schwert des Milieuschutzes, wenn auch kein sehr scharfes.« Es werde aber noch zu selten angewendet.

Für die Mieter in der Braunschweiger Straße ist die Möglichkeit des Vorkaufsrecht eine wichtige Chance. »Es wohnt niemand hier, der viel Kohle hat. Ich fürchte, dass die Miete bei einem Verkauf steigt und vor allem, dass ich in der Gegend keine neue Wohnung mehr finde«, sagt Roland Naumann, »Doch ich fühle mich kampfeslustig«, ergänzt er. Auch für Thomas Schuller, der zurückgelehnt in Karohemd und Jeans auf der Couch sitzt, wäre ein Verkauf des Hauses an die Albert Immo S.a.r.l. ein Drama. »Ich zahle für meine Zweizimmerwohnung mit etwa 56 Quadratmetern momentan rund 350 Euro. Das wird in jedem Fall teurer. Ein Großteil meiner Kollegen wohnt schon in den Außenbezirken, weil sie hier keine Wohnung mehr finden«. In ihrem Kampf sieht Schuller aber schon jetzt etwas Positives. »Wir Nachbarn haben uns erst jetzt richtig kennengelernt. Das schweißt zusammen«, doch er ist realistisch. »Das Vorkaufsrecht ist ein Strohhalm, an den wir uns festhalten. Ich hoffe, dass der Bezirk es umsetzt und wir endlich wieder ruhig schlafen können«.

Die Firma Albert Immo wollte die Erwerbsabsicht nicht bestätigen. Informationen über mögliche Hauskäufe oder -verkäufe seien vertraulich. Die Regularien des Milieuschutzes seien die Firma bekannt. Albert Immo habe kein Interesse an kurzfristigen Spekulationsgewinnen. »Wir respektieren die Mieterinteressen«, sagte eine Sprecherin dem »nd«.

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