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Abseits, draußen, isoliert

Der Alternative Kunstverein Acud zeigt »Offside«, eine »Paraphrase zum Thema Fremdsein«

  • Von Lucía Tirado
  • Lesedauer: 3 Min.

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Immer wieder Ruhepunkte. Felix Goldmann nimmt sich Zeit in der Inszenierung »Offside«. Das ist das neue Stück des Alternativen Kunstvereins Acud in Mitte. Der künstlerische Leiter des Acud-Theaters in der Veteranenstraße thematisiert in seiner Regie in einer Szenenfolge das Fremdsein nach Texten von Fjodor Dostojewski, Sophokles, Gotthold Ephraim Lessing und anderen. Daniil Charms scheint in seiner Antipointenart bei besagten anderen dabei zu sein. Sieht so aus. Der Witz des Tages, den der Hüter einer heiligen Stätte da von sich gibt, hört sich danach an: »Kommt ein Keks um die Ecke gerollt und fällt um.«

Mehrere Ansätze gibt es von Beginn an, die Ringparabel aus Lessings »Nathan der Weise« ins Spiel zu bringen. Der Regisseur lässt die Versuche scheitern. Die Zeit ist im Stück an dieser Stelle noch nicht reif dafür. Er setzt die Parabel an den Schluss. Da passt sie hin, von den Darstellern in den wichtigsten Aussagen jeweils in ihrer Muttersprache vorgebracht. Statt der Ringe werden hier Hüte verwendet. Das stellt sich gut dar.

Ödipus aber macht den Anfang. Sich selbst in Reue des Augenlichts beraubt, gelangt er auf dem Weg ins Exil mit seiner Tochter Antigone an schon erwähnte heilige Stätte, wird als Flüchtling argwöhnisch behandelt und bürokratisch gepeinigt. Aktuelle Parallelen bauen sich flugs auf, ohne angesprochen zu werden. Das muss nicht sein. Das Thema ist alt wie die Welt.

In dem Fremdheitsmosaik des Stücks - Goldmann nennt es »dramatische Paraphrase zum Thema Fremdsein« - spielt Dostojewskis »Untergrundmensch« eine wesentliche Rolle. Hier versucht einer auf Gedeih und Verderb,dazuzugehören. Es gelingt ihm aber nicht. So versinkt er in Selbstmitleid und Racheplänen. Mit diesem literarischen Stoff lässt sich gut darstellen, wie man sich selbst ins Abseits bringt und die ganze Erde für eigenes Scheitern verantwortlich macht. Denn Verantwortung für andere will dieser Mensch auch nicht übernehmen, wie sich an der Episode zeigt, in der er Mitgefühl für eine Prostituierte vorgibt, sie jedoch abweist, als sie in ihrer Not seine versprochene Hilfe annehmen will. Sie verzweifelt. Kaltherzig lässt er sie einsam in den Tod gehen.

Es ist wohltuend, die gut geführten Schauspieler in dieser Produktion arbeiten zu sehen. Bei Monologen eines jeweils anderen sind sie sehr wohl auch im Abseits, verstehen es aber, am Rande und dennoch im Spiel zu sein. Überdies sprechen Abdullah Ericek, Heribert Gietz, Heiko Schendel und Yael Schüler sehr gut. Zeitweise gibt es die Möglichkeit für die Akteure, sich zurückzuziehen. Ausstatter Jens Uwe Behrend schuf das einer Gangway ähnliche »Bauwerk« auf Rädern. Bisweilen verkleiden es die Schauspieler mit Platten. So wird es Gehäuse, Behausung.

Musikalisch stützt sich das Stück unaufdringlich auf Kompositionen von Or Sarfati. Seitlich der Bühne sitzend, spielt er sie zusammen mit Marie Takahashi (Viola) und Emilio Gordoa (Vibrafon). Die Produktion des Alternativen Kunstvereins konnte durch die Unterstützung der niedersächsischen AKB-Stiftung in Einbeck bei Göttingen, die sich Bildung und Kultur auf die Fahnen geschrieben hat, entstehen.

Nächste Vorstellungen: 19. und 20. Januar im Acud-Theater, Veteranenstraße 21, Mitte

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