Werbung

Barrikaden im Hambacher Forst geräumt

Laut Polizei sollten lediglich Zufahrtswege freigeräumt werden / Besetzte Baumhäuser nicht betroffen

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Am frühen Montag meldete die Aachener Polizei, dass sie im Hambacher Forst im Einsatz sei. Barrikaden auf Rettungs- und Zufahrtswegen zum Waldgebiet sollten beseitigt werden. Via Twitter verbreitete die Behörde: »Es finden ausdrücklich keine Rodungsarbeiten und keine anlassunbezogenen Räumungen von Baumhäusern oder des Wiesencamps statt.«

Ein eskalierender Einsatz ist offenbar nicht im Sinn der Aachener Polizei, die federführend die Einsätze im Bezug auf den Braunkohleprotest leitet. Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach ist Mitglied der Grünen. Der Beamte versuchte sich mehrmals im Dialog mit den Braunkohlegegnern. Beim Einsatz am Montag wurden die Aktivisten im Hambacher Forst in vier Sprachen dazu angehalten, die Polizei nicht bei der Arbeit zu behindern. Ein Augenzeuge sagte gegenüber »nd«, dass der Einsatz zum großen Teil friedlich verlaufe.

Aktivisten sahen der Polizei und den Mitarbeitern von RWE bei der Räumung von Barrikaden zu und kommentierten den Einsatz. Die Polizei hatte große Probleme voranzukommen, denn die Waldwege im Hambacher Forst sind mit zahlreichen Erdlöchern und so genannten Tripods und Monopods ausgestattet. Das sind drei- beziehungsweise einbeinige Holzkonstruktionen, an die sich Aktivisten gekettet haben und in luftiger Höhe ausharren. An mehreren Stellen schaffte es die Polizei mit Höhenrettern, die Menschen von den Konstruktionen zu entfernen. Doch das dauerte teilweise mehrere Stunden. Für die Räumungen einzelner Barrikaden wurden Schneisen in den Wald geschlagen. Klimaaktivisten kritisierten dies als teilweise Rodungsmaßnahmen.

Diesmal schauten nicht nur Aktivisten aus dem Wald und der umliegenden Region dem Einsatz im Hambacher Forst zu, sondern auch Parlamentarische Beobachter. Mitglieder von SPD, Grünen und AfD waren im Wald und beobachteten den Einsatz. Dabei ließen sich die Abgeordneten laut Augenzeugen mit Fahrzeugen von RWE durch den Wald fahren. Im Umfeld der AfD-Abgeordneten vernahmen Aktivisten ein verstärktes Polizeiaufgebot.

Montag war vermutlich nicht der letzte Tag, an dem die Polizei mit einem Großaufgebot im Hambacher Forst im Einsatz war. Auf den großen Waldwegen warten noch zahlreiche Barrikaden auf die Einsatzkräfte. Eine Person soll sich noch in einem Loch in der Erde ausharren. Das scheint der Polizei größere Probleme zu bereiten. Eine Polizeisprecherin konnte sich gegenüber »nd «zumindest nicht zu einem Einsatzende äußern. Am Montag kamen nach Angaben der Aktivisten bis zu 15 Menschen in Polizeigewahrsam.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln