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Yoga gegen Klimawandel

Modi präsentiert beim Weltwirtschaftsforum seinen indischen Traum

Es ist das erste Mal, dass Narendra Modi zum Weltwirtschaftsforum (WEF) ins schweizerische Davos gekommen ist. Ganz offensichtlich wollte der indische Premierminister die große Bühne des Jahrestreffens der Mächtigen in Wirtschaft und Politik nutzen, um bei der Eröffnungsrede seine Vision der Welt zu präsentieren. Auf seiner eigenen Internetseite hatte Modi denn auch schon im Vorfeld für eine »historische« Rede geworben. Das Fazit seines etwa einstündigen Auftritts: Wenn die Welt den jahrtausendealten indischen Werten folgt, kann sie alle ihre Probleme lösen. »Indien wird zur harmonisierenden Kraft der Welt«, so Modi.

Wie er das meinte, machte er etwa am Thema Klimawandel deutlich, den er als die größte aller Gefahren ansieht, die der Welt drohen. Doch die alten indischen Visionen Yoga und Ayurveda könnten den Bruch zwischen der Natur und den Menschen heilen. Schon Mahatma Gandhi, der »Vater Indiens«, wie Modi ihn nannte, habe sich gegen eine giergetriebene Ausbeutung der Menschen und der Natur gewandt. Etwas weniger poetisch kündigte Modi an, dass Indien seine Kapazität an erneuerbaren Energien bis 2022 auf 125 Gigawatt steigern will.

Auch bei den anderen Gefahren, die aus seiner Sicht die Welt bedrohen, setzt er weniger auf indische Philosophie und mehr auf praktische Politik. Nummer zwei auf der Gefahrenliste ist der Terrorismus. Modi warnte dabei vor einer Unterteilung in »gute« und »schlechte« Terroristen. Er meinte damit wohl, dass Guerilla-Bewegungen in verschiedenen Teilen Asiens manchen als Unabhängigkeitskämpfer gelten.

Die dritte große Gefahr für die Welt ist aus Sicht Modis die sinkende Anziehungskraft der Globalisierung. Einer der Lösungswege dafür sei eine Reform der internationalen Organisationen. »Reflektieren die internationalen Organisationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, noch heute die Träume und Ziele der Menschheit?«, fragte er rhetorisch. Modi forderte eine regelbasierte internationale Weltordnung, die auf der Zusammenarbeit der großen Mächte beruht.

Der Regierungschef warb vor den Wirtschaftsführern aber auch für den Standort Indien und seine eigene Wirtschaftspolitik. »Wir haben Investitionen in Indien so leicht gemacht, wie es nie zuvor der Fall gewesen ist«, klärte er. Seine Regierung habe insgesamt 1400 geradezu archaische Gesetze abgeschafft und erstmals eine einheitliche Umsatzsteuer im Land eingeführt. Der große Anteil junger Menschen im Land sei eine der Hauptstärken des Subkontinents. Denn die jungen Leute seien nicht nur Arbeitssuchende, sondern dank ihres Unternehmergeistes oft auch Arbeitgeber.

Mit seiner WEF-Eröffnungsrede antwortete Modi indirekt auch auf den Auftritt des chinesischen Präsidenten Xi Jingping. Dieser hatte vor einem Jahr das WEF eröffnet und wenige Tage vor dem Amtsantritt des damals neuen US-Präsidenten Donald Trump die Gelegenheit genutzt, um sich als eigentlicher Führer der Welt zu positionieren. Xi hatte die Globalisierung gegen ihrer Kritiker verteidigt und seinerseits für ein neues Modell der internationalen Entwicklung geworben, das auch soziale Gerechtigkeit und den Umweltschutz umfassen müsse.

Modi dürfte in seiner Rede am Dienstag ebenfalls Trump mit im Blick gehabt haben. Als er von »neuen direkten und indirekten Zöllen« sprach, die wieder erhoben würden, werden nicht wenige seiner Zuhörer an die neuen US-Strafzölle auf Importe von Solarmodulen und Waschmaschinen gedacht haben.

Trump wird diese bald persönlich in Davos erläutern dürfen: Er nimmt ab Donnerstag am Weltwirtschaftsforum teil und soll am Freitag die Abschlussrede halten. Er ist nach Bill Clinton im Jahr 2000 erst der zweite amtierende US-Präsident, der am WEF teilnimmt. In diesem Jahr kommen mehr als 70 Staats- und Regierungschefs zu dem Treffen im tief verschneiten Davos, ein Rekord.

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