Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Braunkohleindustrie hat im Ausland Perspektiven

Wirtschaftsminister Gerber präsentiert Potenzialanalyse: Zwei Drittel der Betriebe suchen neue Geschäftsfelder

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Lausitz ist die wirtschaftlich stärkste Region in Brandenburg und das soll auch so bleiben. Nach wie vor ist vor allen Dingen die Braunkohlenindustrie die Quelle dieser Stärke«, beharrt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Doch auch er muss erkennen: »Die Bedeutung der fossilen Energieträger wird zumindest in Deutschland in den nächsten Jahren abnehmen.« Deshalb müsse sich die Lausitz breiter ausrichten. Sie sei aber bereits auf einem guten Weg. »Zahlreiche Unternehmen der Braunkohleindustrie sind längst auch in anderen Branchen und auf anderen Märkten tätig«, erklärt der Minister, als er am Donnerstag eine Potenzialanalyse der Bergbau- und Kraftwerkskompetenzen in Berlin und Brandenburg vorstellt. Die Studie war im Herbst bei der DTM GmbH in Essen in Auftrag gegeben worden.

Was kam dabei heraus? Rund zwei Drittel der Unternehmen, die sich an der Untersuchung beteiligten, arbeiten nach eigenen Angaben schon an neuen Geschäftsfeldern. Teilweise haben sie neben der traditionellen Kraftwerkstechnik auch schon andere Standbeine, beispielsweise die EMIS Electrics GmbH aus Lübbenau. Sein Vater habe 1990 mit 27 Mitarbeitern angefangen und Serviceleistungen in den Kohlekraftwerken Lübbenau und Vetschau erbracht, erzählt Geschäftsführer Christopher Perschk. Heute besteht die Belegschaft aus 500 Beschäftigten an zehn Standorten. Zu den Kunden gehören inzwischen Freizeitparks wie der Europapark in Rust, in dem keine Achterbahn, keine Loopingschaukel und kein Freier-Fall-Turm ohne elektrische Steuerung von der EMIS läuft. Auch die KSC Kraftwerksservice GmbH mit Sitz in Peitz kümmert sich mittlerweile nicht mehr allein um die Braunkohleindustrie. »Solange die Lausitzer Energie AG da ist, werden wir der LEAG dienen«, verspricht KSC-Berater Winfried Pfeiffer. Doch mit Blick auf eine Zukunft ohne die Braunkohle ist das Unternehmen schon in andere Bereiche vorgestoßen, liefert inzwischen Baugruppen für Schienenfahrzeuge, darunter aerodynamische Leichtbau-Gerätecontainer, die auf den Dächern von Triebwagen der Deutschen Bahn montiert werden.

Allerdings bietet auch die Kraftwerkstechnik eine Perspektive. In China etwa entstehen immer neue Kohlekraftwerke. »Das kann man mögen oder nicht«, stellt Wirtschaftsminister Gerber fest. So ergibt es Sinn, wenn die Cottbuser ABB Automation GmbH noch einen getriebelosen Permanentmagnetmotor entwickelt hat, der auf Förderbrücken zum Einsatz kommen kann, weniger Energie verbraucht und Wartungskosten reduziert. Außerdem bietet die VPC GmbH aus Vetschau bereits Planungsleistungen für den Kraftwerksbau in Indien, in der Türkei und in Serbien an.

Allerdings steckt die Neuorientierung insgesamt noch in den Anfängen. »86 Prozent der Unternehmen aus dem Bereich Bergbau und Kraftwerkstechnik sind zwar international aktiv, doch bei zwei Dritteln liegen die Auslandsumsätze bei nicht einmal zehn Prozent«, erläutert Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Die internationalen Märkte seien durch die Konzentration auf die Region ins Hintertreffen geraten. Positiv formuliert: »Hier ist viel Potenzial.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln