Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Straßensozialarbeit am Leopoldplatz gefährdet

Ausschreibung für Konflikt- und Platzmanagement in Wedding ist gescheitert

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

Er könnte so idyllisch sein: Der Leopoldplatz im Wedding. Eine Kirche aus roten Ziegeln, im Sommer grün umsäumt, in der Mitte Marktstände. Doch die Anwohner finden es hier nicht ganz so schön. Es geht um Müll, Uringestank, in der Luft hängende Alkoholfahnen und Obdachlose, die die Wege blockieren. Weil sich in letzter Zeit die Beschwerden wieder häuften, drohte Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) in gewohnt populistischer Weise mit einem Alkoholverbot auf dem Platz.

Zum Jahresende ist auch noch das Streetworkerprojekt mit dem Träger Fixpunkt ausgelaufen. Die neue Ausschreibung für ein Handlungskonzept zum Konflikt- und Platzmanagement liegt auf Eis, weil sich nur ein Träger - nämlich der alte - darauf beworben hat. Und das zu einem weit höheren Preis als vom Bezirk angedacht. Am Freitag will von Dassel sich noch einmal mit dem Träger zusammensetzen und nachverhandeln, heißt es.

»Das Platzkonzept ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Platz nicht verkommt«, sagt Susanne Fischer, die für die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte sitzt. »Das muss zum Laufen gebracht werden.« Ihre Fraktion hatte in der BVV-Sitzung am 18. Januar eine Große Anfrage eingereicht. Doch viele Antworten gab es zunächst nicht. Das Bezirksamt, der Präventionsbeauftragte Thorsten Haas, der den Runden Tisch zum Leopoldplatz moderiert, und Fixpunkt verweisen auch gegenüber dem »nd« auf den kommenden Gesprächstermin.

Warum sich nur ein Träger beworben hat, darüber kann Susanne Fischer nur spekulieren. »Vielleicht wurden zu viele Aufgaben für zu wenig Geld verlangt?« Tatsächlich soll der Träger laut Bezirksamtsbeschluss vom 19. Dezember nicht nur am Leopoldplatz Straßensozialarbeit und einen betreuten Aufenthaltsraum anbieten, sondern auch am Rathausvorplatz in der Müllerstraße. Zum Auftrag gehört zusätzlich noch mobile Sozialarbeit im Kleinen Tiergarten. Nach Informationen des »nd« sollen künftig möglicherweise auch der Hansaplatz und die Kurfürstenstraße vom gleichen Träger mitbetreut werden.

Sowohl der Leopoldplatz als auch der Kleine Tiergarten gehören zu den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten Berlins. Die Zahl der Straftaten lagen am Leopoldplatz bis 2013 jährlich bei etwa 2500, ab 2014 waren es rund 3000. Gleichbleibend hoch war die Anzahl der Ladendiebstähle, während die Zahl der Taschendiebstähle kontinuierlich gestiegen ist und 2016 bei etwa 300 lag. Fast genauso hoch war die Zahl der Drogendelikte. An vierter Stelle standen Körperverletzungen.

Seit Jahren ist der Leopoldplatz im Fokus verschiedener bezirklicher Maßnahmen. Seit 2008 bringt ein Runder Tisch Anwohner, Gewerbetreibende, Vertreter sozialer Projekte und der ansässigen Nazarethkirche sowie von Polizei und Bezirksamt zusammen. Das Konzept »Gemeinsam einen Platz für alle gestalten« des Präventionsrates Mitte erhielt 2014 sogar den Berliner Präventionspreis. Der Jury zufolge zeichnete es sich insbesondere dadurch aus, dass alle gemeinsam den Platz gestalten sollen, ohne bisherige Nutzer zu verdrängen. Zuletzt wurde 2017 ein sogenannter Platzdienst eingerichtet - eine Person, die, laut Aufgabenbeschreibung, »durch Freundlichkeit und Bestimmtheit um die Einhaltung bestimmter Regeln bittet«.

Zuvor waren viele der Maßnahmen aus Spargründen wieder zurückgefahren worden. Unter anderem war das Knorke, Berlins erster Trinkraum, 2015 geschlossen worden. Weil sich daraufhin erst recht wieder alkoholisierte Menschen auf dem Platz trafen, setzte sich Bürgermeister von Dassel im Frühjahr 2017 für dessen Wiedereröffnung ein.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln