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Linker Kinderhass

Paula Irmschler über regelrechte Ressentiments gegenüber Kindern und Müttern auch in linken Kreisen

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

Kinder sind bisweilen anstrengend – für Eltern und andere Betroffene. Sie sind laut, rennen orientierungslos gegen Möbel und Menschen, werfen Mobiltelefone in Toiletten. Dennoch sollen sie beim Betrachter zwingend etwas Positives auslösen. Sie gelten als Projektionsfläche für gesellschaftliche Diskurse und kitschige Moralisierungen. Selbstverständlich ist es also eine große Errungenschaft, dass sich immer mehr Frauen freimachen können von Gebärzwang, Ideologie der Familie und Romantisierung von Mutterschaft. Es ist gut, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch heute anders diskutiert wird als vor einigen Jahrzehnten, dass Verhütung ein größeres Thema ist und dass es immer mehr alternative Lebensmodelle gibt als die traditionelle Hetero-Kleinfamilie. Spießertum, das ewige und verständliche Feindbild von Linken, geht oft einher mit der Skepsis gegenüber Leuten aus dem eigenen Umfeld, die Kinder bekommen.

Manchmal geht die Verachtung der Bürgerlichkeit jedoch so weit, dass regelrechte Ressentiments gegenüber Kindern und Müttern (selten gegenüber Vätern) zutage treten. Der Hass auf die Frauen in Prenzlauer Berg (»Latte-Macchiato-Mütter«) wurde in den letzten Jahren unzählbar oft in Bücher und Memes gepackt, in Tiraden sowie Comedy-Programmen verhandelt und hat sich in Gesprächen über und in Berlin als Anekdote längst festgesetzt. Mütter mit Kind sind lächerlich, weil sie Gutes für ihr Kind wollen, dabei über die Stränge schlagen oder Fehler machen – erzählt mir was Neues. Dementsprechend verpönt sind sie in Augen der »coolen«, aufgeklärten, entspannten Leute. Zu einigen Läden haben Kinder (und damit oft die Mütter) deswegen keinen Zutritt, über Männer wird kaum gesprochen, sie sind maximal dabei, denn nur Mütter haben Kinder. Und Mütter sind schuld, sie sind schließlich die mit den Kinderwägen in Cafés (sollen sie lieber einsam zu Hause bleiben?), zu ihnen muss man sich verhalten, sie muss man bewundern oder verdammen, sich mit ihnen identifizieren oder nicht.

Als linke Frau muss man sich irgendwann positionieren, ob man Kinder will oder nicht – ab dieser Feststellung klebt das Label und das Gegenüber weiß, ob es mit einem in Zukunft noch rechnen kann oder nicht. Erinnert an Vorstellungsgespräche bei frauenfeindlichen Konzernen? Schon. Man gilt bei Bejahung nicht selten als rückständig, langweilig, konform und bei Durchführung als früher mal cool, aber heute leider Elternteil. Wie eine Utopie oder verklärte Erinnerung an die 60er wirkt die Vorstellung, dass man Mutterschaft und Kinder sehr wohl und gerade in linke Kreise integrieren kann, weil man empathisch und offen sein mag, weil man so gern alternative Lebensmodelle in Betracht zieht. Und weil Kinder Menschen sind und weder Garantie noch Untergang von Lebensglück zu bedeuten haben.

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