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Rojava-Vertreter werfen Türkei den Einsatz von Napalm vor

»Informationszentrum des Afrin-Widerstands«: Brandwaffe soll zwei Mal zum Einsatz gekommen sein / Keine Informationen über mögliche verletzte Zivilisten

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine syrisch-kurdische Politikerin hat der türkischen Armee vorgeworfen, den international geächteten Kampfstoff Napalm eingesetzt zu haben. »Die türkische Armee verwendet die verbotene Waffe Napalm in Afrin gegen Zivilisten«, schrieb Îlham Ehmed, Ko-Vorsitzende des Demokratischen Rates Syriens (SDC), der politische Flügel des Militärbündnis »Syrische Demokratische Kräfte«, am Samstag auf Twitter.

Serzad Hisên vom »Informationszentrum des Afrin-Widerstands« wiederholte auf Nachfrage gegenüber »nd« den Vorwurf: »Nach unseren bisherigen Informationen kam Napalm zwei Mal zum Einsatz von Seiten der türkischen Armee.« Die Brandwaffe mit dem Hauptbestandteil Benzin soll demnach bei Gefechten um den »Kevire Ker-Hügel« in der Region Rajo sowie bei Gefechten um den »Bursaya-Hügel« eingesetzt worden sein. Ob Zivilisten durch den Einsatz zu Schaden kamen, konnte Hisên nicht sagen. »Dazu liegen uns zum jetzigen Zeitpunkt keine Informationen vor.«

Die Türkei hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Eine unabhängige Überprüfung der Anschuldigungen ist kaum möglich. Napalm verursacht schlecht verheilende Brandwunden und große Schmerzen. Der Gebrauch von Brandwaffen gegen die Zivilbevölkerung wurde durch die Vereinten Nationen im Jahre 1980 verboten.

Laut lokalen prokurdischen Medienquellen soll es auch türkische Luftangriffe auf das Rubar-Flüchtlingslager in Afrin gegeben haben. Diese Information lässt sich ebenfalls nicht nachprüfen. Serzad Hisên stellte gegenüber »nd« jedoch fest: »Es gab am Wochenende mehrere Situationen, bei denen Luftangriffe der Türkei zu toten Zivilistinnen und Zivilisten geführt haben, darunter auch Kinder.« Nach Angaben eines behandelnden Arztes sollen jüngst 25 Zivilisten in Afrin getötet worden sein, unter ihnen Heranwachsende. Ankara bestätigte Luftangriffe in der Nacht zu Montag, sprach jedoch von 40 »Mitgliedern von Terrororganisationen«, die »neutralisiert« worden seien. Laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn der türkischen Offensive bereits 55 Zivilisten getötet.

Nach Angaben des »Informationszentrum des Afrin-Widerstands« haben türkische Militärkräfte zudem eine archäologische Stätte in Afrin bombardiert. »Es handelt sich dabei um Ain Dara, ein jahrtausendealter Tempel, bekannt für große Steinskulpturen von Löwen«, erklärte Serzad Hisên. Teilweise sei es zu Zerstörungen der Anlage gekommen. Die syrische Antikenbehörde bestätigte, dass durch Luftangriffe in Afrin ein 3000 Jahre alter hittitischer Tempel teilweise beschädigt worden sei. Die wichtige Tempelanlage von Ain Dara stammt aus der aramäischen Ära zwischen 1300 und 700 vor Christus.

Der türkische Verteidigungsminister Nurettin Canikli hat in einem Gespräch mit dem deutschen Botschafter Martin Erdmann den Einsatz von Kriegsgütern aus deutscher Produktion nicht bestritten. In der Türkei sind nach Äußerungen in sozialen Medien über den Feldzug 311 Menschen verhaftet worden. Ihnen werde Terrorpropaganda vorgeworfen, so die Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

In Deutschland kommt es derweil zu weiteren Protestaktionen gegen den türkischen Einmarsch in Afrin. An Montagmittag kaperten Anti-Kriegs-Aktivisten die regelmäßig in Berlin stattfindende Bundespressekonferenz. Sie verteilten Flyer und zeigten dabei Transparente mit den Aufschriften »Waffenexport stoppen« und »Krieg beginnt hier.«

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