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Robert, Roberto, Katja und Sahra

Roberto J. De Lapuente wünscht sich eine fairere Streitkultur für die Linke

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: 4 Min.

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Neulich nach der Veröffentlichung eines Textes im »Heppenheimer Hiob« habe ich mich mit Robert Meyer unterhalten. Robert ist »nd«-Onlineredakteur. Wenn ich Fragen zum Hiob habe: Er ist der Mann. Wenn nicht gerade Katja Herzberg für mich da ist. Nun jedenfalls entwickelte sich eine kleine Diskussion. Ganz modern via Facebook-Messenger. Diese Parteigründungspläne, die von Lafontaine und Wagenknecht kämen, so teilte ich ihm mit, die halte ich für Nonsens. Klar gäbe es Realos und Fundis in der Linkspartei, aber diesen Umstand als Motiv einer Trennung zu nutzen: Nee, das ist ein Holzweg. Robert fand, dass in der Darstellung der Wagenknechtianer Kipping immer fälschlicherweise als Fundi hingestellt würde. Ich erwiderte, dass sie sich zumindest von der Fundi-Basis antreiben ließe.

Wo das denn der Fall sei, wollte Robert da wissen. Ich antwortete, dass das bei der Willkommenskultur und bei der Frage nach offenen Grenzen geschähe. Diese Themen müsse man ergebnisoffener behandeln. Robert so: Nö, muss die Linke eben nicht, denn das sei die Preisgabe grundlinker Ideen. Der ewige Vergleich mit den Neoliberalen nerve ihn mittlerweile auch. Ich pflichtete ihm zwar von der Warte des Idealismus zu – aber in der Realität sähe das nun mal anders aus. Wäre die EU eine Sozialunion – ja dann! Aber so, als Kontinent der Freizügigkeit bei gleichzeitiger Einschränkung der Transferleistungen für Zugereiste, müsse man solche Ideale überdenken. Was die EU betrifft, da gab er mir recht.

Dass Frau Wagenknecht so tue, als hätten wir eine Flüchtlingskrise, lastete Robert ihr zudem an. Wir hätten doch eher eine Solidaritätskrise. Eher eine Fluchtursachenkrise, definierte ich um. Man merkte schon, dass Robert und ich zwei verschiedene Lager der Linken präsentieren. Trotzdem gingen wir am Ende versöhnt auseinander. Nicht beleidigt oder erzürnt. Das ist es, was ich mir für die Partei der Linken manchmal wünsche. Pluralismus ist kein Begriff für linke Sonntagsreden. Es sollte gelebte Parteikultur sein. Das ist manchmal anstrengend – ohne Zweifel. Aber eine demokratische Partei, die es mit ihrem demokratischen Sendungsbewusstsein ernst nimmt, sollte die Vielfalt als demokratische Metaebene verinnerlicht haben.

Natürlich sind die Linken, wie alle anderen auch, dem Zeitgeist ausgeliefert. Und wenn der als pöbelnder Weltgeist auftritt, dann schreit man halt auch links lieber zuerst mal, macht laut mobil, statt es erstmal sacken zu lassen. Die Ansichten der Anderen begreift man als Angriffsfläche und nicht als Auftrag nach Wegen zu forschen. Man muss doch gar nicht die Anschauungen des Gegenübers nicht völlig annehmen. Lagerdenken ist ein divide et impera für rechte Alternativen. Kipping oder Wagenknecht, Wagenknecht oder Kipping? Man kann ja Präferenzen haben. Deshalb muss man den Andersdenkenden ja nicht gleich in die rechte Ecke stellen oder andersherum als Esoteriker diffamieren.

Ich persönlich wünsche mir die Linkspartei durchaus gewerkschaftlicher, ja auch sozialdemokratischer. Robert mag da andere Schwerpunkte setzen. Und das ist in Ordnung. Seine Meinung ist nicht meine. Andersherum läuft das nicht anders. Dennoch hören wir uns an, diskutieren zuweilen und lassen dem anderen den Kopf am Hals. Wir kommen miteinander aus. Und das ist es, was zählt. Inhaltlich gehe ich in vielen Punkten mit Frau Wagenknecht konform. Aber bei einer neuen linken Partei, da vergaloppiert sie sich leider. Das ist Eskapismus, ja auch Ausdruck einer feigen Haltung. Um Deutungshoheiten kämpft man, man erwirkt sie nicht durch Fluchtandrohung.

Vielleicht hat das auch an ihrer Substanz gekratzt, dass man sie ständig mit Frauke Petry gleichgesetzt hat. Ja, diese Streitunkultur, die sich da in der Linkspartei etabliert hat, die ist nichts für schwache und wahrscheinlich auch nichts für stärkere Nerven. Doch eine Spaltung der Kräfte, eine Aufsplitterung in verschiedene linke Splittergruppen, erzeugt nur Reibungsverluste. Eine linke Massenpartei, wie Lafontaine und Wagenknecht sie in Aussicht gestellt haben, entwirft man nicht am Reißbrett. Dass es nicht dazu kommt, hat besonders mit einem Wort zu tun: mit Respekt. Streiten ist wertvoll. Aber man muss sich respektieren – ohne Schubladendenken. Wenn es die Lager so ein bisschen wie Robert und Roberto machten …

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