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Zusammen lernen als Regelfall

Bildungsexperten diskutierten mit GEW-Landeschef über Zukunft der Gemeinschaftsschulen

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Sollte die Gemeinschaftsschule als eine Form der Regelschule im Berliner Schulgesetz verankert werden? Diese Frage stand im Zentrum einer Diskussionsveranstaltung, zu der das Elternnetzwerk Berliner Gemeinschaftsschulen (EBG) am Dienstagabend in die Aula der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum in Mitte eingeladen hatte.

Auf dem Podium hatten Tom Erdmann, Berliner Landeschef der Erziehungsgewerkschaft GEW, Berlins Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) und die bildungspolitischen Experten der drei Koalitionsparteien, Maja Lasić (SPD), Marianne Burkert-Eulitz (Grüne) und Regina Kittler (LINKE) Platz genommen. Rund 150 interessierte Eltern und Schüler waren gekommen. »Den Gemeinschaftsschulen gelingt es von allen Schulformen am besten, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln«, sagte GEW-Chef Erdmann.

Die wissenschaftliche Evaluation der Gemeinschaftsschule habe den Erfolg des Modells hinsichtlich Lernen und Inklusion bestätigt, sagte Erdmann. »Deshalb muss die Gemeinschaftsschule als Regelschule anerkannt und besonders von der Politik gefördert werden«, forderte Erdmann weiter.

Seine vier Mitdiskutanten nickten mit dem Kopf. Schließlich hat sich Rot-Rot-Grün die Förderung von Gemeinschaftsschulen auf die Fahnen geschrieben, die Anerkennung als Regelschule ist im Koalitionsvertrag vereinbart. »Wir wollen aus dem Pilotprojekt Gemeinschaftsschule eine Regelschule machen. Da sind sich die drei Koalitionspartner voll und ganz einig«, ergänzte Bildungsstaatssekretär Rackles. Es ginge nur noch um die richtige Ausgestaltung im Schulgesetz.

Im Schuljahr 2008/2009 war die Gemeinschaftsschule in Berlin mit dem Anspruch in die Testphase gestartet, mehr Chancengerechtigkeit durch längeres gemeinsames Lernen und individuelle Förderung der Schüler zu schaffen. In den derzeit bestehenden 24 Gemeinschaftsschulen lernen die Kinder und Jugendlichen von der ersten bis zur zehnten Klasse.

Einige dieser Schulen verfügen zudem über eine integrierte gymnasiale Oberstufe, in der das Abitur in 13 Jahren absolviert werden kann. Andere Gemeinschaftsschulen ohne gymnasiale Oberstufe kooperieren mit entsprechenden Sekundarschulen in der Nähe, in denen die Gemeinschaftsschüler bevorzugt aufgenommen werden.

»Die Gemeinschaftsschulen leisten einen wesentlichen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit«, sagte LINKE-Bildungsexpertin Kittler. Daher müsste das Schulgesetz dahingehend geändert werden, dass die Gemeinschaftsschule als Regelschule und als eine eigenständige Schulform anerkannt wird. »Die Gemeinschaftsschule darf kein bloßes Anhängsel der Sekundarschulen werden«, sagte Kittler unter Zustimmung des Podiums.

Mit der Schulstrukturreform 2010 gibt es in Berlin zwei Arten von weiterführenden Schulen. Das Gymnasium und die Sekundarschulen, die aus den früheren Haupt- und Realschulen hervorgegangen sind. Während die Gymnasiasten das Abitur nach zwölf Jahren erlangen, machen es die Schüler der Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe nach dreizehn Jahren.

Burkert-Eulitz von den Grünen forderte, dass bei den im Rahmen der Schulbauoffensive geplanten 52 Schulneubauten auch Gemeinschaftsschulen dabei sein sollten. Dazu sagte Lasić von der SPD: »Die Bezirke entscheiden selber, welche Schulform sie brauchen.« Grundsätzlich stimme sie aber zu. Vermisst wurden an diesem Diskussionsabend Vertreter der Oppositionsparteien. Die hätten dann sicherlich nicht immer mit dem Kopf genickt.

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