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Die Stille der Kraft

Hilmar Baumann ist tot

Er war der Prototyp des Redlichen, des bedächtig Einfühlsamen. Mit allerdings wunderbar vertrackten Wechseln ins plebejisch Komische. Hilmar Baumann, seit 1968 am Maxim-Gorki-Theater Berlin, war auch in über 80 DEFA- und TV-Filmen präsent, er spielte in »Die Leiden des jungen Werthers«, »Der geteilte Himmel«, »Lotte in Weimar«, »Märkische Forschungen«, »Levins Mühle«.

Seltsamerweise erinnere ich mich besonders an einen eher kleinen dramatischen Text von Adriana Altaras, »Jud Sauer«. Es war im Studio des Gorki-Theaters, viele Jahre her. Baumann spielte jene Titelgestalt Ignatz Sauer, einen Mann im Seniorenheim. Ein Schauspieler, der über die geborgten Schicksale der dramatischen Weltliteratur endlich zu sich selbst finden wollte. Baumann stattete ihn mit wütend-krachender Kraft aus. Ein Alter, der mit seinen wilden Ausbrüchen aus der Wirklichkeit immer auch listig taktierte, auf Wirkung bedacht war - und auf Trost. Der jähen Aufwallung folgte das Zusammensinken in die Stummheit, in ein tiefes seelisches Dunkel.

Es schien, als ob Baumann mit dieser Rolle am Rande befreit ausbrechen wollte. Aus einem gegebenen Maß, dem er doch stets beeindruckend Leben gab. Kein extravaganter Verwandler - aber er strahlte hintergründige Ruhe aus, eine verträumte oder geradezu pädagogische Ernsthaftigkeit. Manchmal gab er Gestalten, Staatsköpfe oder Biederleute, die verloren nie die Fassung, konnten aber plötzlich die verrückte Welt nicht mehr fassen. Das geht mit einem einzigen Ausdruck. Man muss ihn nur können.

Nun ist Hilmar Baumann - 1939 in Ludwigsfelde geboren, Babelsberger Filmstudent, Hallenser Hauptakteur beim Regisseur Horst Schönemann - im Alter von 79 Jahren verstorben. hds

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