Werbung
  • Sport
  • Die BVG und Hertha BSC

Sondermüll im Stadion

Alexander Ludewig über gutes und schlechtes Marketing in Berlin

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Unterstütze das nd mit einem monatlichen Beitrag

Minimum 2,50 Euro/Monat

...oder einem Abo oder einer Spende:

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Vielleicht später...
Die Ostkurve im Olympiastadion ist stets gut gefüllt, auf den anderen Tribünenteilen sieht es dagegen oft mau aus bei Spielen von Hertha BSC.
Die Ostkurve im Olympiastadion ist stets gut gefüllt, auf den anderen Tribünenteilen sieht es dagegen oft mau aus bei Spielen von Hertha BSC.

Was mit gezieltem Marketing in Berlin zu erreichen ist, beweist die BVG. Mit ihrer jüngsten Kampagne sind die Berliner Verkehrsbetriebe in aller Munde. Zusammen mit Adidas brachten sie einen Turnschuh auf den Markt. Sneaker sagen die Leute dazu, die in Scharen stundenlang angestanden haben, um ein Paar der begrenzten Auflage zu ergattern. Der Kauf lohnte sich doppelt: Zum einen stiegen die Gebote im Internet schnell auf mehr als das Dreifache des Kaufpreises. Zum anderen kann man mit diesem Schuh am Fuß ein Jahr lang kostenlos mit den Verkehrsbetrieben durch Berlin cruisen. Und weil sich die BVG auch durchaus witzig in den sozialen Netzwerken bewegt oder mit mutigen Sprüchen auf ihren Bussen durch die Stadt fährt, konnte sie sich trotz Preiserhöhungen oder anhaltendem Ärger über Ausfälle und Verspätungen eine positive Imagekorrektur verpassen.

Berlin kann auch anders. So wie Hertha BSC. Die Fans haben mal wieder die Schnauze voll. Nicht grundsätzlich von ihrem Verein. Erst recht nicht die Treuesten aus der Ostkurve. Aber genau dort ist der Ärger über das öffentliche Auftreten ihres Klubs mit einer peinlichen Kampagne nach der anderen am größten. »Das Imageproblem ist hausgemacht. Hertha findet im Stadion und nicht auf Facebook statt!« So war es Blau auf Weiß am Sonnabend beim Spiel gegen Hoffenheim in der Ostkurve zu lesen.

Die verzweifelte Suche des Vereins nach neuen Anhängern ist ja durchaus verständlich. Das Spiel gegen Hoffenheim wollten nicht mal 33 000 Zuschauer sehen. Selbst gegen Dortmund gibt es im Olympiastadion mittlerweile leere Ränge. Sogar gegen den FC Bayern! Der Auftritt des Rekordmeisters aus München in dieser Saison in Berlin war ligaweit der erste seit 2006, der nicht ausverkauft war.

Herthas Problem in Berlin ist, dass den Verein - im Gegensatz zur BVG - niemand wirklich braucht. Fußballerisch weckt der Klub kaum Interesse. Unter Trainer Pal Dardai ist solides Handwerk statt Spektakel angesagt. Oder wie er es nach dem 1:1 gegen Hoffenheim ausdrückte: »Viel Taktik in der ersten Halbzeit, viel Kampf in der zweiten.« Das wäre ja auch alles ok, wenn man nicht mehr will, als man selbst zu bieten hat. Und wenn dann trotzdem die Immergleichen die Mannschaft anfeuern - am Sonnabend stand rund ein Drittel der Zuschauer in der Ostkurve -, sollte man sie nicht ständig verprellen: mit plumpen Annäherungsversuchen an Neu-Berliner, die die Hauptstadt immer noch hip finden.

Nun könnte man meinen, Hertha hat dazugelernt. Die neueste Idee: Wer sich die blau-weiße Fahne, Berlins Stadtgrenzen, das Olympiastadion und dazu noch einen QR-Code tätowieren lässt, bekommt lebenslang freien Eintritt. Rund 300 Fans haben sich schon beworben. Jeder vierte Deutsche soll heutzutage schon ein Tattoo tragen, im Fanblock ist der Durchschnitt vielleicht sogar noch höher. Nun das Aber: Will Hertha BSC nicht unbedingt in ein neues Stadion ziehen? Und hat der Verein seine Fans nicht schon mit dem Gedanken verärgert, in Brandenburg zu bauen? Seitdem hängt stets dieses Banner: »In Berlin nur Hertha - Hertha nur in Berlin«. Auch der QR-Code ist vielleicht bald überholt. Somit bliebe allein die Fahne sinnvoll, die sich aber vielleicht eh schon einige Fans haben stechen lassen. Und noch etwas: In Tattoofarben befinden sich neben krebserregenden Substanzen auch toxische Farbstoffe, verbotene Konservierungsstoffe und Schwermetalle - das gehört auf den Sondermüll.

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen