Werbung

Studie: Armutsrisiko von Familien größer als gedacht

Frühere Berichte haben offenbar das Einkommen reicher Familien unter- und das von armen überschätzt

  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Gütersloh. Alleinerziehende und ärmere Familien stehen einer neuen Studie zufolge finanziell oft schlechter da als angenommen. Forscher hätten durch eine neue Berechnungsmethode festgestellt, »dass vor allem arme Familien bisher reicher gerechnet wurden, als sie tatsächlich sind«, erklärte die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch bei der Vorstellung der Untersuchung. Politik und Sozialverbände riefen zu massiven Verbesserungen der Leistungen für Familien auf.

Nach Angaben der Stiftung kamen die Autoren der Bochumer Ruhr-Universität zu dem Schluss, dass die bisherigen Berechnungsmethoden die unterschiedliche finanzielle Leistungsfähigkeit von Eltern nicht berücksichtigten. Sie setzten pauschal immer die selben Mehrkosten für Kinder an. Für ärmere Familien sei dieselbe Belastung allerdings »im Verhältnis größer als für wohlhabende Familien«

»Je geringer das Familieneinkommen ist, desto schwieriger wiegt die finanzielle Belastung durch jedes weitere Haushaltsmitglied«, erklärte die Gütersloher Stiftung. Der veränderte Ansatz arbeite nun mit einkommensabhängigen Gewichtungen und komme zu einem »realistischeren Blick« auf die Einkommenssituation.

Vor allem die Situation von Alleinerziehenden sei durch die alte starre Skala deutlich zu positiv eingeschätzt worden, hieß es. Bei ihnen liege die Armutsrisikoquote nach der reformierten Methode bei 68 Prozent, während sie nach früheren Berechnungen nur 46 Prozent betragen haben.

Paare mit einem Kind sind nach Angaben der Stiftung nach der neuen Methode zu 13 Prozent armutsgefährdet. Bei zwei Kindern liegt die Quote bei 16 Prozent, bei drei Kindern sind es 18 Prozent. »Kinder sind leider ein Armutsrisiko in Deutschland«, erklärte Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger.

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte als Reaktion auf die Studie neben höheren Regelleistungen durch den Staat für Kinder ein über Einzelmaßnahmen hinausgehende »grundlegende Kraftanstrengung« gegen Familienarmut.

Grüne und LINKE im Bundestag äußerten sich am Mittwoch ähnlich. Die Grünen-Fraktionschef Katrin Göring-Eckardt erklärte: »Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei.« Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linkenfraktion, rief zu einer Reform des Unterstützungssystem aus. Familien, Kinder und Menschen, die Angehörige versorgten, würden »abgehängt«.

Die kommissarische Bundesfamilienministerin Katarine Barley (SPD) erklärte am Mittwoch, die neue Regierung in Berlin müsse auf die Bekämpfung der Kinderarmut »einen Schwerpunkt ihrer Arbeit legen«. Betreuungsangebote müssten ausgebaut und kostenfrei angeboten werden, um Armutsrisiken und »verdeckte Armut« zu beseitigen.

Die Studie ergab demnach auch, dass Paare mit Kindern oder Alleinerziehende zwischen 1992 und 2015 finanziell stets schlechter gestellt waren als kinderlose Paare und dass nur jene Familien ihre Einkommenssituation mindestens halten konnten, die ihr Erwerbseinkommen steigerten - in der Regel dadurch, dass die Mütter mehr arbeiteten. Das wiederum habe der Ausbau der Kinderbetreuung ermöglicht.

Die bisherigen Berechnungsmethoden basierte nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung auf einer standardisierten Skala der internationalen Staaten-Organisation OECD. Vorstand Dräger forderte, diese wegen der Verzerrungen nicht mehr zu nutzen. Auch müsse die staatliche Existenzsicherung für Kinder neu aufgestellt werden. Darüber hinaus bräuchten vor allem Alleinerziehende mehr Unterstützung, mahnte er. AFP/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken