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Eine Art Monsterschoßhündchen

Jeff VanderMeer entwirft in seinem Roman »Borne« eine postapokalyptische Welt

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Apokalyptische Szenarien erfreuen sich in der Science-Fiction derzeit großer Beliebtheit. In zahlreichen Sci-Fi-Blockbustern, vom neuen »Independence Day« bis »Superman«, droht bildmächtig die Welt unterzugehen. Wobei in Hollywood die menschliche Zivilisation für gewöhnlich noch in letzter Sekunde gerettet wird. In der Literatur wird derzeit dagegen der Weltuntergang schon mal ohne Happy End durchdekliniert. Das reicht von der Klimakatastrophe wie in Omar El Akkads amerikanischem Bürgerkriegsdrama »American War« bis hin zu Jeff VanderMeers apokalyptischem Science-Fiction-Spektakel »Borne«, das eine düstere Welt in Trümmern zeigt.

Der 1968 geborene Jeff VanderMeer ist Spezialist für spannende Phantastik, die zwischen Thriller und Horror angesiedelt ist. In seinem neuen Roman, der die Geschichte einer Überlebenden erzählt, die sich in einer unbestimmten Zukunft durch eine von Monstern heimgesuchte und zerstörte Stadtlandschaft kämpft, greift er in die Vollen und entwirft in grellen Farben eine postapokalyptische Welt voll bedrohlicher und unheimlicher Wesen.

Im Zentrum von VanderMeers flott geschriebenem Roman steht die taffe Rachel, die als Sammlerin von ausrangiertem biotechnologischen Müll in einer gefährlichen Stadt ums nackte Überleben kämpft. Den titelgebenden »Borne«, eine Art Monsterschoßhündchen, findet sie eines Tages im Fell eines gigantischen fliegenden Bären.

Dieses riesige furchteinflößende Monster beherrscht die verseuchte Ruinenlandschaft der namenlosen Stadt und tötet alles, was ihm über den Weg läuft. Borne dagegen ist ein kleines, beinahe niedliches Tier, etwas zwischen Seeanemone und Tintenfisch, das Rachel mit nach Hause in den zerstörten Gebäudekomplex nimmt, den sie zusammen mit einem Leidensgenossen namens Wick bewohnt. Der baut aus dem biotechnologischen Abfall, den Rachel ihm bringt, Waffen, Nahrung und allerlei andere Gebrauchsgegenstände, die zum Überleben in dieser alptraumhaften Welt nötig sind. Borne wächst heran, fängt plötzlich an zu sprechen und lernt, beliebig seine Form zu verändern. Was ist er? Ein Stück Technologie, eine Laune der Natur oder womöglich eine gefährliche Waffe? Je länger Borne bei den beiden Menschen lebt, desto klarer wird: Er ist kein Schoßtier, sondern ein unheimliches, mörderisches Wesen.

Jeff VanderMeer weiß diese Geschichte, die motivisch Anleihen bei Godzilla und Frankenstein nimmt, spannend in Szene zu setzen, wobei er die psychologischen Abgründe nicht nur seiner menschlichen Akteure, sondern auch der zahlreichen Monster erzählerisch auslotet. VanderMeers Ideenreichtum, wenn es um sich verselbstständigende Biotechnologien, horrorartige Mutanten und riesige Monster geht, die diese apokalyptische Welt bevölkern, ist beachtlich. Ist diese alptraumhafte Stadt, in die es Rachel verschlagen hat, nur eine Parallelwelt? Und welche Rolle spielt die geheimnisvolle Firma, die den Großteil der biotechnologischen Mutanten hergestellt und in die Umwelt entsorgt hat, die durch die Stadt laufen, kriechen und fliegen?

VanderMeers ramponierte Figuren versuchen, sich in dem beängstigenden Chaos, in dem sie leben, Klarheit zu verschaffen. Das ist aber nicht einfach, denn auch, ob ihre Erinnerungen echt sind oder nur von Drogen simuliert werden, wissen sie nicht genau. Am Ende dreht Jeff VanderMeer dann noch sehr gekonnt an der Spannungsschraube und wartet mit einem furiosen Finale auf.

Jeff VanderMeer: Borne. Roman. Aus dem Amerikanischen von Michael Kellner. Verlag Antje Kunstmann, 250 S., geb., 22 €.

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