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Snowboarder beklagen lebensgefährliche Bedingungen

Wind und Wetter führen bei den Winterspielen zu etlichen Verletzungen und bringen den olympischen Terminplan gehörig durcheinander

  • Von Thomas Häberlein und Marco Mader, Pyeongchang
  • Lesedauer: 3 Min.
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Silje Norendal aus Norwegen wurde Vierte im Slopestyle. »Ich hatte Angst um mein Leben«, sagte sie nach dem windigen Wettbewerb.
Silje Norendal aus Norwegen wurde Vierte im Slopestyle. »Ich hatte Angst um mein Leben«, sagte sie nach dem windigen Wettbewerb.

Viktoria Rebensburg saß am Montagmorgen in der Gondel hinauf zum Drachenberg, als ihre Goldmission plötzlich abgeblasen wurde. »Ich habe eine Runde gedreht mit der Gondelbahn, das passiert mir wirklich sehr selten, dass ich da sitzen bleibe«, sagte Rebensburg und lachte, sie nahm die windbedingte Absage des olympischen Riesenslaloms mit Humor. Für die Spiele in Südkorea sind die Wetterkapriolen in den Bergen von Pyeongchang jedoch alles andere als ein Spaß.

Den Alpinen droht ein regelrechtes Terminchaos, die Snowboarder beklagen mehrere Verletzte und einen sehr fragwürdigen Slopestyle-Wettbewerb der Frauen. Silvia Mittermüller (Unterhaching) wurde beim Einfahren von einer Böe erwischt und zog sich beim Landen einen Meniskuseinriss zu - Olympia-Aus. Es war nicht die einzige Blessur in Bokwang. »Ich hatte Angst um mein Leben«, sagte die am Ende der Windlotterie viertplatzierte Norwegerin Silje Norendal unter Tränen.

Die Skirennläuferinnen um Rebensburg durften umkehren, ehe es für sie gefährlich wurde. Ihr Rennen soll nun am Donnerstag stattfinden und die ebenfalls dorthin verschobene Abfahrt in Jeongseon einrahmen. Zwei Olympiarennen an einem Tag, das gab es zuletzt 2006 in Turin. Doch weil der starke Wind bei Temperaturen bis minus 25 Grad laut OK-Sprecher Sung Baik You bis Mittwoch anhalten wird, droht weiteres Ungemach. Für Dienstag war die Männer-Kombination, für Mittwoch der Slalom der Frauen geplant.

»Es ist schade, ich wäre wirklich sehr gerne ein Rennen gefahren. Aber wichtig ist, dass die Bedingungen gut sind und fair für alle«, sagte Rebensburg. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier sprach von »absolut irregulären Verhältnissen, da kann man leider nichts machen, aber das musste man verschieben«. Das verstand der letzte Zweifler, als eine TV-Kamera im Zielraum aus mehreren Metern Höhe zu Boden krachte. Augenzeugen zufolge wurde niemand verletzt.

Anders bei den Snowboardern in Bokwang, wo Mittermüller sich verletzte. Die 34-Jährige war trotz Fiebers an den Start gegangen, um sich ihren Olympia-Traum zu erfüllen. Auch Tess Coady (Australien), die im Training am Sonntag einen Kreuzbandriss erlitt, und der Niederländer Niek van der Velden (Oberarmbruch) führten ihre Stürze auf den Wind im Phoenix Snow Park zurück.

Das IOC wies die Verantwortung dafür zurück, für die Durchführung der Wettbewerbe seien die Weltverbände zuständig. Der Internationale Skiverband, dem die Snowboarder untergeordnet sind, betonte, dass die Slopestyle-Qualifikation am Sonntag wegen Windes abgesagt wurde.

Rebensburg verzichtete am Montag aufs Skifahren, oben am Berg sei es »eh so windig«, sagte sie. Stattdessen stand Regeneration auf ihrem Programm. Mancher Alpine fühlt sich bereits an Nagano 1998 erinnert, als das Wetter für teils chaotische Zustände gesorgt hatte. Gleich an zwei Tagen wurden damals zwei Goldmedaillen ausgefahren. Noch schlimmer kam es bei der WM 1993 in Morioka, ebenfalls Japan: Nach mehreren Verschiebungen konnte der Super-G der Männer nicht mehr ausgetragen werden und wurde ersatzlos gestrichen. Immerhin: Ab Donnerstang soll es in Pyeongchang wärmer werden. SID/nd

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