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Israel und Iran im Clinch

Auch die Spannungen mit der von Teheran unterstützten Hisbollah haben sich verschärft

  • Von Oliver Eberhardt, Tel Aviv
  • Lesedauer: 3 Min.

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Hunderttausende waren am Sonntag auf den Azadi-Platz im Zentrum Teherans gekommen, um den 39. Jahrestag der islamischen Revolution zu begehen, mehr als in den Jahren zuvor. Kurzfristig hatten die staatlichen Unternehmen Arbeiter beurlaubt, Busse bereit gestellt; in den Medien wurden zum Besuch der Kundgebung aufgerufen. Denn am Tag zuvor war eine Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen, woraufhin Israels Luftwaffe militärische Einrichtungen in Syrien bombardierte, die man den iranischen Revolutionsgarden zurechnet. Die syrische Luftabwehr schoss zum ersten Mal seit den 1980er Jahren ein israelisches Kampfflugzeug ab. Beide Seiten sehen sich nun als Sieger der Konfrontation.

»Die USA und Israel wollen Irak und Syrien spalten; sie wollen die Spannungen verstärken«, sagte Irans Präsident Hassan Ruhani bei der Kundgebung ohne die Ereignisse direkt anzusprechen: »Mit unserer Hilfe ist dieser Plan gescheitert.« Ajatollah Ali Khamenei lobte derweil die »technologischen Fortschritte unseres Militärs« - eine direkte Anspielung auf die Drohne, bei der es sich nach Angaben der israelischen Armee um eine technisch ausgereifte Kopie eines US-amerikanischen Modells handelt, das 2011 über Iran abgeschossen worden war. Die Revolutionsgarden hatten vor zwei Jahren Bilder veröffentlicht.

Israels Regierung lobt derweil die kurzen Reaktionszeiten und die Handlungsfähigkeit des eigenen Militärs: »Wir haben dem iranischen und dem syrischen Militär einen schweren Schlag zugefügt«, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu. »Wir werden weiterhin jeden verletzen, der versucht, uns zu verletzen.«

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Israels Streitkräfte allein im Vorjahr rund 1000 Mal auf oder über syrischem Gebiet im Einsatz waren. Bislang war man von gut 100 Luftangriffen auf Ziele des syrischen Militärs sowie der libanesischen Hisbollah ausgegangen, die in Syrien die Regierungstruppen unterstützt. Es sei nun sehr offensichtlich, dass die Revolutionsgarden das syrische Militär und die Hisbollah längst nicht mehr nur logistisch unterstützen, so Verteidigungsminister Avigdor Liebermann am Montag. Iran sei dabei, eigene Militärbasen »vor unserer Haustür« aufzubauen - eine Entwicklung, die in der israelischen Öffentlichkeit mit einiger Sorge beobachtet wird. Denn gleichzeitig haben sich auch die Spannungen zwischen Israel und der von Teheran unterstützten Hisbollah in Libanon verschärft.

Israel will die Grenze mit Mauern und Zäunen abriegeln, bislang ist sie nur sehr schwer zu sichern. Immer wieder werden auch Drogen und Waffen aus Libanon nach Israel geschmuggelt. Die Hisbollah droht mit Angriffen, falls der Plan umgesetzt wird. Grund dafür ist ein Streit über den Grenzverlauf. Zwar hatten die Vereinten Nationen nach dem Abzug des israelischen Militärs aus Südlibanon im Jahr 2000 den Grenzverlauf festgesetzt, doch erkennt die Hisbollah diese Entscheidung nicht an. Die geplanten Sperranlagen würden aus ihrer Sicht auf libanesischem Gebiet verlaufen.

Bislang war man in Israel davon ausgegangen, dass die Hisbollah dennoch kein Interesse an einer militärischen Konfrontation habe und eine Eskalation ausbleiben werde. Nach den Ereignissen am Wochenende ist nun Verunsicherung eingekehrt: Mit dem Drohneneinsatz habe Iran »ganz deutlich« seine Präsenz vor Ort gezeigt, so Bildungsminister Naftali Bennett, Vorsitzender der rechten Partei »Jüdisches Heim«. Es sei offensichtlich, »dass die bisherigen Annahmen nicht mehr gelten«. Die mögliche Front umfasse nun nicht mehr allein den Südlibanon, sondern auch die großteils von Israel besetzten Golanhöhen, wo sich Hisbollah und Revolutionsgarden mit jedem militärischen Erfolg der syrischen Streitkräfte immer freier bewegen können. Zudem sei nun ausgereifte Waffentechnologie mit im Spiel.

Israelische Kommentatoren übten derweil heftige Kritik am Weißen Haus: Zwar verteidigte US-Präsident Donald Trump die israelischen Angriffe, ansonsten aber hält sich Washington derzeit völlig raus. Außenminister Rex Tillerson, der derzeit in der Region unterwegs ist, verzichtete trotz der Situation auf einen Zwischenstopp in Israel. »Das Signal ist: Bitte bekämpft Iran in Syrien, aber bittet uns nicht um Hilfe«, so ein Kommentator des Armeeradios.

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