Werbung
  • Politik
  • Rassismus in Niedersachsen

Protest gegen Wohnungen für Arbeiter

Niedersachsen: In Garrel sieht man die Idylle durch rumänische Arbeiter einer Schlachterei bedroht

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ordentlich und nett geht es zu im Südwesten von Garrel. Gepflegte Einfamilienhäuser bestimmen das Bild in jenem Teil der 13.000-Einwohner-Stadt im niedersächsischen Kreis Cloppenburg. Der Rasen wird pünktlich gemäht, der Bürgersteig gefegt, Nachbarn grüßen freundlich auf dem Weg zum Einkauf oder zur Kirche. Doch jetzt wird vor Ort um diese Idylle gebangt. Denn ganz in der Nähe der Eigenheime sollen Appartementhäuser für zumeist rumänische Schlachtereiarbeiter entstehen.

Die meisten von ihnen hausen noch immer, teils weit entfernt vom Garreler Großschlachtbetrieb, in heruntergekommenen Häusern. Der frühere Arbeitgeber, ein Subunternehmer, hatte die Osteuropäer als Werkvertragsarbeiter dort einquartiert und für die kaum zumutbaren Unterkünfte überhöhte Mieten verlangt. Mittlerweile aber sind die Beschäftigten, insgesamt 600, direkt und fest beim Schlachthof angestellt, den das Unternehmen »Böseler Goldschmaus« betreibt. Es ist die erste Großschlachterei in Niedersachsen, die sich dazu entschlossen hat und der Belegschaft aus dem Ausland damit Sozialversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub garantiert.

Nun hat die Firma zwei Komplexe mit kleinen Appartements für insgesamt 340 Mitarbeiter geplant. Für sie rückt nun die Zeit näher, in der sie ihre teils menschenunwürdigen Behausungen verlassen und umziehen können in moderne Quartiere, von denen es auch nicht weit zum Arbeitsplatz ist. Doch anstatt dass sich künftige Nachbarn mit ihnen freuen, wettern sie gegen das Vorhaben.

Fast 3000 Unterschriften haben Bürgerinnen und Bürger gesammelt, um das Projekt zu verhindern. Die Bebauungspläne sollen nicht im Sinne des Projektes geändert, benötigte Grundstücke nicht verkauft werden, fordern jene Garreler von der Gemeinde. Und: Man möge die Arbeiter auf das gesamte Gemeindegebiet und die Nachbargemeinde verteilen und nicht in »kasernenartigen Gebäuden« konzentrieren.

Es gehört allerdings schon viel Phantasie dazu, in den geplanten Appartementhäusern etwas Kasernenartiges zu sehen. Eher wohl, so darf vermutet werden, scheint es die Nähe des »Fremden« zu sein, die den Protestlern Unwohlsein bereitet. Unterstützung finden sie zumindest beim Bündnis »Bürger für Garrel«. Es meint, der Zuzug der Arbeiter sei in punkto Integration »schwierig zu verkraften«, auch seien »soziale Brennpunkte« zu befürchten.

Fast 3000 Unterschriften haben Bürgerinnen und Bürger gesammelt

Empört über das ablehnende Echo auf die »Goldschmaus«-Pläne ist die Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Vechta, Audra Brinkhus-Saltys. »Wir sind hier eine christliche, sogar eine katholische Region, wir sind für das Mitmenschliche«, betonte sie im Gespräch mit dem NDR. Dieses Mitmenschliche sei bei der Unterschriftenaktion abhanden gekommen. Die für solch ein Vorgehen Verantwortlichen sollten ihr Gewissen befragen.

Verhindern werden die Garreler den Zuzug der neuen Nachbarn wohl nicht. Zwar soll »Goldschmaus« seine Pläne nach Rücksprache mit der zuständigen Behörde in einigen Punkten überarbeiten, auch hinsichtlich der Größe. Aber, so heißt es sinngemäß aus der Kreisverwaltung: Sofern sie baurechtlich möglich sind, werden die Wohnungen genehmigt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen